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Medizin

Tuberkulose: 40 Millionen Todesfälle durch Rauchen bis 2050

Mittwoch, 5. Oktober 2011

San Francisco – Die Schädigung der Lungen durch das Rauchen begünstigt Infektion und Fortschreiten einer Tuberkulose. Da derzeit vor allem in Ländern geraucht wird, in denen die Tuberkulose stark verbreitet ist, sind die Auswirkungen beträchtlich. Sie gefährden einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 343: d5506) zufolge das Ziel der Welt­gesund­heits­organi­sation, die Zahl der Tuberkulosetodesfälle bis 2015 zu halbieren.

Tabakrauch ist ein etablierter Risikofaktor für die Tuberkulose. Er erhöht die Infektionsrisiko auf eine latente Tuberkulose (relatives Risiko RR 1,9), das Fortschreiten zu einer aktiven Erkrankung (RR 2,0) und das Sterberisiko (RR 2,6), schreiben Sanjay Basu von der Universität von Kalifornien in San Francisco und Mitarbeiter.

Da ein Fünftel der erwachsenen Weltbevölkerung raucht, ist der Einfluss beträchtlich. Hinzu kommt, dass gerade in Ländern, in denen die Tuberkulose verbreitet ist, häufig und viel geraucht wird. In Indien seien beispielsweise 38 Prozent aller Tuberkulosetodesfälle dem Rauchen zuzuschreiben, zitieren die Autoren frühere Untersuchungen. Sie selbst haben jetzt Berechnungen zum Einfluss des Rauchens auf globaler Ebene durchgeführt.

Ihr Ergebnis: Bis 2050 werden 274 Millionen Menschen an Tuberkulose erkranken. Davon entfallen, natürlich rein rechnerisch, 18 Millionen oder 7 Prozent auf den Risikofaktor Rauchen. Weitaus größer sind die Schäden bei bereits an der Tuberkulose erkrankten Personen. Von den 101 Millionen Todesfällen, die Basu für den Zeitraum 2010 bis 2050 prognostiziert, sind allein 40 Millionen auf den Faktor Rauchen zurückzuführen.

Durch eine aggressive Tabakkontrolle, die den Anteil der Raucher an der Bevölkerung um ein Prozent pro Jahr senken würde, könnten 27 Millionen Todesfälle vermieden werden, rechnet Basu vor. Die Befürchtungen gehen allerdings in eine andere Richtung.

In vielen Ländern steigt, nicht zuletzt infolge der Marketinganstrengungen der Tabakindustrie, die Zahl der Raucher. Wenn in vielen Ländern bald die Hälfte der Erwachsenen statt bisher 20 Prozent rauchen, würde dies 34 Millionen zusätzliche Todesfälle bedeuten, schreibt Basu.

Angesichts dieser Zahlen drohen die Anstrengungen der Welt­gesund­heits­organi­sation zur Makulatur zu werden. Das Millennium-Entwicklungsziel 6.9 fordert, dass Inzidenz, Prävalenz und Todesfälle an der Tuberkulose bis 2015 um die Hälfte (im Vergleich zu 1990) sinken.

Als Mittel dient die DOTS-Strategie (Directly Observed Treatment Short-Course), bei der die Medikamente unter Aufsicht eingenommen werden. Die Wirkung könnte wahrscheinlich gesteigert werden, wenn den Patienten gleichzeitig eine Raucherentwöhnung angeboten würde. © rme/aerzteblatt.de

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mediko
am Donnerstag, 6. Oktober 2011, 15:30

@remplaçante: langweilig

Sorry, aber "Thema verfehlt". Auf den angesprochenen Nonsens und die Unstimmigkeiten gehen Sie ja nicht ein. Ist auch "klassisch": Der beseelte Nichtraucher und Moralapostel ignoriert gerne jeden Blöd- und Un-sinn, wenn nur "die Botschaft stimmt". Wenn ein Raucher es wagt, Kritik zu äußern, wird er lässig als "beleidigte Leberwurst" abqualifiziert ( "Warum fuehlen sich Raucher eigentlich immer auf den Schlips getreten ..." ). Der "Gute" hebt nur vorbildlich ruhig und besonnen den großen Zeigefinger: "Nun seien Sie doch vernünftig und sehen Sie das doch mal so wie ich" :-) - echt langweilig !
remplaçante
am Donnerstag, 6. Oktober 2011, 11:28

kein Bloedsinn!

Warum fuehlen sich Raucher eigentlich immer auf den Schlips getreten, wenn man ihnen sagt, dass Rauchen ihnen schadet? Warum sehen sie sich immer gleich in ihrer persoenlichen Freiheit bedroht, vermuten Verschwoerungen der Welt-Nichtraucher-Gemeinschaft?
Rauchen ist kein Genuss, sondern eine Sucht, es ist kein ritueller Akt wie bei den Indianern! Raucher werden von der Tabakindustrie gezielt in diese Abhaengigkeit getrieben, die macht damit einen Riesengewinn, aber die gesundheitlichen Folgen werden der "Solidargemeinschaft" auferlegt.
Sehen Sie das Problem doch mal von dieser Seite!
mediko
am Donnerstag, 6. Oktober 2011, 00:10

WHD ... "Wat'n herrlichen Blödsinn"

"Wenn in vielen Ländern bald die Hälfte der Erwachsenen statt bisher 20 Prozent rauchen, ..." - - - ooooooops - wo sind denn plötzlich die Wahnsinns-Erfolgsgeschichten der Anti-Raucher-Gesetze weltweit abgeblieben ? Ach, ist ja auch egal, Hauptsache man kann mal wieder den schwarzen Raucher-Bösewicht an die Wand malen.
"... DOTS-Strategie (Directly Observed Treatment Short-Course), bei der die Medikamente unter Aufsicht eingenommen werden. Die Wirkung könnte wahrscheinlich gesteigert werden, wenn ..." - ich ergänze mal: "wenn allen Abstinenz-Unwilligen Aufpasser an die Seite gestellt würden, so dass sie sozusagen "unter Aufsicht nichtrauchen"" - uuuund das gäbe noch Arbeitsplätze, meine Herren, fantastisch - die Nichtraucher retten doch noch die Welt, halleluja !

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