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Medizin

HIV: Resistenzen gefährden Therapieerfolg nur selten

Montag, 10. Oktober 2011

Paris – Dank der Vielzahl unterschiedlicher Wirkstoffe bleibt die antiretrovirale Therapie heute auch beim Auftreten mehrfach resistenter Viren erfolgreich. Ein dauerhaftes Therapieversagen und die Entwicklung von Aids sind einer Kohortenstudie in Lancet Infectious Diseases 2011; doi: 10.1016/S1473-3099(11)70248-1) zufolge selten geworden.

Die „Pursuing Later Treatment Options“ oder PLATO II-Studie lotet die Therapiechancen beim Drei-Klassen-Versagen (triple-class virological failure, TCVF) aus. Bei diesen Patienten sind die Viren gegen Medikamente aus allen drei „orginären“ Wirkstoffklassen (Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren, Nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren und Protease-Inhibitoren) resistent.

Vor einem Jahrzehnt waren dann die Chancen auf eine dauerhafte Suppression der Virusreplikation gering. Wie Dominique Costagliola vom Forschungsinstitut INSERM in Paris mitteilt, schaffte im Jahr 2000 nur einer von fünf Patienten (19,5 Prozent) das wichtige Therapieziel, das Voraussetzung für die langfristige Vermeidung der Immunschwäche Aids ist.

Inzwischen gibt es in jeder der drei Wirkstoffklassen mehrere Vertreter mit unterschiedlichem Resistenzmustern, und mit den Entry-Inhibitoren und dem ersten Integrase-Inhibitor sind zwei neue Wirkstoffklassen hinzugekommen.

Im Jahr 2009 gelang es bei drei von fünf Patienten mit TCVF (57,9 Prozent) die Virusreplikation dauerhaft zu unterdrücken. Die Inzidenz von Aids ist von 7,7 auf 1,2 pro 100 Personen-Jahre zurückgegangen. Auch die Mortalität sank von 4,0 auf 1,4 pro 100 Personen-Jahre, auch wenn hier der Trend das statistische Signifikanzniveau noch nicht erreicht hat.

Die Gründe für diese günstige Entwicklung sieht der Editorialist Jens Lundgren von der Universität Kopenhagen nicht nur in der Verfügbarkeit von mehr als 20 antiretroviralen Wirkstoffen. Einen ebenso großen Anteil hätten die Kenntnis der einzelnen Resistenzmechanismen und die Tests, die den intelligenten Einsatz der Wirkstoffe erlauben.

Auch die Schulung der Patienten und deren Bereitschaft die Therapien mitzutragen (bei einer allerdings immer geringeren Pillenlast) hätten einen wichtigen Beitrag geleistet. Lundgren warnte jedoch davor, dass die Situation nicht auf Dauer so günstig bleiben müsse. Die Zahl der Neuentwicklungen habe in den letzten Jahren nachgelassen und da die Therapie bei einer HIV-Infektion lebenslang durchgeführt werden muss, könne sich die Resistenzproblematik jederzeit wieder verschärfen. © rme/aerzteblatt.de

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