Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

WHO: Tuberkulose weltweit rückläufig

Dienstag, 11. Oktober 2011

Genf – Erstmals in der Geschichte ist die Zahl der globalen Tuberkulosefälle rückläufig. Laut dem Global Tuberculosis Control Report 2011 der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat es im Jahr 2010 weltweit 8,8 Millionen Neuerkrankungen gegeben. Auch die Zahl der Todesfälle ist mit 1,1 Millionen Menschen niedriger als in den Vorjahren, auch wenn man berücksichtigt, dass weitere 0,35 Millionen Menschen an einer Doppelinfektion von HIV und Tuberkulose gestorben sind.

Die früheren Welttuberkulose-Berichte waren noch davon ausgegangen, dass die Zahl der Tuberkulosekranken langsam ansteigt. Wenn es jetzt heißt, dass die Erkrankungszahlen rückläufig sind, liegt dies vor allem an der Situation in China, wo es laut WHO dramatische Fortschritte gegeben hat.

Zwischen 1990 und 2010 sei die Zahl der Todesfälle von 216.000 auf 55.000 zurückgegangen. Die Prävalenz habe sich halbiert. Auch in Brasilien gebe es seit 20 Jahren einen Rückgang. Seit vor etwa 10 Jahren die HIV-Epidemie in Tansania und Kenya den Gipfel überschritten hat, würden auch dort die Erkrankungszahlen sinken. Alle der genannten Staaten gehören zu den 22 Ländern mit der höchsten Tuberkulose-Last („TB burden“).

Auch in anderen Bereichen vermeldet der Welttuberkulose-Bericht Fortschritte. Seit 1995 seien 46 Millionen Tuberkulosepatienten erfolgreich behandelt worden. Bis zu 6,8 Millionen Menschen sei das Leben durch die DOTS (Ausgabe der Medikamente unter Beobachtung) and die Stop TB Strategie gerettet worden, heißt es in dem Bericht. Die Erfolgsquote der Tuberkulosetherapie habe 87 Prozent erreicht.

Von einer Entspannung kann dennoch keine Rede sein. Jeden Tag sterben 3.800 Menschen an einer Tuberkulose, häufig sind es Menschen im mittleren Lebensalter. Bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter ist die Tuberkulose die dritthäufigste Todesursache, und 2009 gab es weltweit 9,7 Millionen Tuberkulosewaisenkinder.

Ungelöst ist das Problem der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB). Die WHO schätzt die Zahl der MDR-TB-Erkrankungen auf 650.000 und die Zahl der jährlichen Todesfälle auf 150.000. Nur jeder sechste Patient mit MDR-TB habe derzeit Zugriff auf eine angemessene Versorgung. Dies liegt nicht nur am Mangel an Medikamenten.

Auch die von der WHO empfohlene Xpert MTB/RIF-Diagnostik, die eine TB und MDR-TB innerhalb von 100 Minuten diagnostizieren kann, wird derzeit nur in 26 von 145 Ländern verwendet. Bei den anderen fehlt es – trotz der großzügigen Förderung durch den Global Fund – an Geld, so dass fraglich ist, wem die zehn neuen Wirkstoffe und die zehn Impfstoffe, die die WHO als Perspektive hervorhebt, letztlich zunutze kommen werden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. April 2018
Hannover – Neue Ansatzpunkte für künftige mögliche Impfstrategien gegen Tuberkulose haben Wissenschaftler des Twincore – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover
Tuberkulose: Dendritische Zellen als neue Zielzellen für die Impfung untersucht
21. März 2018
Würzburg – Fast 5.000 Menschen sterben jeden Tag an Tuberkulose, mehr als an HIV und Malaria zusammen. 2016 forderte die Krankheit weltweit 1,7 Millionen Todesopfer, wie die Deutsche Lepra- und
Hilfswerk fordert mehr Investitionen im Kampf gegen Tuberkulose
20. März 2018
Düsseldorf – Ein neues, einfaches und schnelles Nachweisverfahren für Tuberkuloseerreger im Speichel haben Forscher der Stanford University und zweier Universitäten in Johannesburg gemeinsam mit
Neues Nachweisverfahren für Tuberkuloseerreger im Speichel
19. März 2018
Kopenhagen/Stockholm – Die europäischen Staaten müssen nach Ansicht von Gesundheitsorganisationen mehr gegen Tuberkulose tun, wenn sie die Krankheit tatsächlich bis 2030 auslöschen wollen. Im
Kampf gegen Tuberkulose reicht Gesundheitsorganisationen nicht
15. März 2018
Berlin – Trotz eines leichten Rückgangs der Tuberkulosefälle in Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) keine Entwarnung gegeben. 2017 wurden nach vorläufigen Daten 5.486 Tuberkulosefälle
Keine Entwarnung trotz leichten Rückgangs bei Tuberkulosefällen
9. März 2018
Oxford – Eine teilweise hoch dosierte Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) hat in einer Phase-2-Studie die Heilungschancen von Patienten mit einer nachgewiesenen tuberkulösen Meningitis verbessert. Die
Tuberkulöse Meningitis: ASS könnte Heilungschancen erhöhen
7. Februar 2018
Berlin – Mehr Anstrengungen beim Kampf gegen die Tuberkulose (TB) hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gefordert. „Die höheren Ausgaben für Forschung müssen sich unbedingt in mehr Geld für die
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige