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Medizin

Niedriges Geburtsgewicht als Autismusrisiko?

Montag, 17. Oktober 2011

Philadelphia – Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von unter 2.000 Gramm zur Welt kamen, hatten in einer US-Kohorte in Pediatrics (2011; doi: 10.1542/peds.2010-2846) ein fünffach erhöhtes Risiko auf die spätere Diagnose einer autistischen Störung.

In den USA hat die Zahl der Diagnosen von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Die Centers for Disease Control and Prevention schätzen die Prävalenz auf 1 zu 80 bis 1 zu 240. Als Faustregel hat sich eine Rate von einem Prozent durchgesetzt, die deutlich über früheren Schätzungen liegt.

Ob es sich um einen echten Anstieg der Erkrankungen oder nur um die Folge einer vermehrten Aufmerksamkeit mit der Ausweitung der Diagnose auf Kinder mit Lernstörungen handelt, ist umstritten. Auch die Ursachen der überwiegend bei Jungen auftretenden Störung sind weitgehend unklar.

Jennifer Pinto-Martin von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia vermutet einen Zusammenhang mit der ebenfalls in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Zahl von Früh- und Mangelgeburten.

Ihre Untersuchung einer Kohorte von 623 Kindern der Jahrgänge 1984 bis 1989, deren Geburtsgewicht unter 2000 Gramm gelegen hatte, ergibt nun eine Prävalenz von 5 Prozent. Sie wäre demnach 5-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Die Studie hat indes zahlreiche Schwächen. Die Kontrollen stammen nicht aus der gleichen Kohorte, die Autoren beziehen sich vielmehr aus die Schätzungen der CDC. Dies öffnet einer selektiven Auswertung der Daten Tür und Tor. Allein durch die unklare Definition der ASD kann es zu starken Schwankungen in der Prävalenz kommen.

Zum anderen wurden nicht alle 623 Kinder bis ins Erwachsenenalter nachbeobachtet, sondern nur 189 Kinder. Darunter waren 14 Kinder mit einer ASD. Erst durch eine Hochrechnung von Pinto-Martin, die die Ergebnisse einer Screening-Untersuchung im Alter von 16 Jahren berücksichtigt, werden es 31 Erkrankungen, was bei einer Gesamtzahl von 623 Kindern eine Prävalenz von 5 Prozent ergibt.

Laut Pinto-Martin haben frühere Untersuchungen gezeigt, dass Mangelgeburten im späteren Leben häufiger kognitive Störungen aufweisen. Tatsache ist aber, dass die meisten Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht sich, sofern keine neonatalen Komplikationen auftreten, völlig normal entwickeln. © rme/aerzteblatt.de

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