Medizin

Bakterien in Darmkrebstumoren nachgewiesen

Dienstag, 18. Oktober 2011

Boston/Vancouver – US-Forscher haben in Darmkrebstumoren genetisches Material eines ansonsten im Darm seltenen Bakteriums nachgewiesen. Ob dies Ursache oder Folge der Erkrankung ist, lassen die Berichte in Genome Research offen.

Der menschliche Darm enthält eine Vielzahl verschiedener Bakterien, doch Fusobacterium necrophorum ein obligat anaerobes fadenförmiges Bakterium, ist beim gesunden Menschen von untergeordneter Bedeutung. Der Erreger findet sich eher in der Mundhöhle, wo er mit Karies und Parodontose in Verbindung gebracht wird.

Eine stärkere Darmbesiedlung mit Fusobakterien findet sich bei Patienten mit Colitis ulcerosa. Die Bedeutung ist unklar. Antibiotika werden von den hiesigen Leitlinien nur bei infektiösen Komplikationen empfohlen, während japanische Forscher jüngst Antibiotika erfolgreich zur Induktion einer Remission erprobt haben (Am J Gastroenterol 2010; 105: 1820-9).

Als sicher gilt, dass die Colitis ulcerosa eine Präkanzerose ist. Die kumulative Inzidenz eines Kolorektalkarzinoms steigt langsam aber sicher – laut einer Studie in Gastroenterology (2006; 130: 1030-8) auf bis zu 10 Prozent nach 40 Jahren. Dieser Umstand ist bemerkenswert, weil jetzt zwei Forschergruppen in den USA genetisches Material von Fusobakterien in Darmkrebstumoren nachgewiesen haben.

Matthew Meyerson vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston war zufällig auf das Erbgut des Erregers gestoßen, als er die DNA von Karzinomen bei neun Patienten mit der DNA der Schleimhaut von neun gesunden Probanden verglich. Die Untersuchung von 95 weiteren Patienten bestätigte den Befund.

Auch Rob Holt von der Simon Fraser University in Vancouver hat genetisches Material von Fusobakterien in Darmkrebsläsionen nachgewiesen. Die Konzentration war 415-fach höher als in normalem Gewebe. Holt gelang es in einem Fall, das Bakterium aus dem Tumorgewebe zu kultivieren. In-vitro drang das Bakterium in Zellkulturen aus gesunden Darmepithelien ein.

Dies alles beweist noch nicht, dass die Erreger den Tumor auslösen, genauso gut könnten Fusobakterien das zerfallende Gewebe des Tumors als „Nahrungsquelle“ entdeckt haben. Die Studie dürfte aber das Forscherinteresse auf eine mögliche ätiologische Bedeutung lenken.

Unvorstellbar ist es nicht, dass Bakterien als Auslöser oder Kofaktor von Krebserkrankungen des Gastrointestinaltrakts infrage kommen. So gilt H. pylori heute als wesentlicher Verursacher von Magenkrebs. Als Beleg werden epidemiologische Studien angeführt, die die Verbreitung von H. pylori mit der Häufigkeit von Magenkrebs in Beziehung setzen.

 

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Ein zweifelsfreier Beweis, dass Fusobakterien an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sind, würde eine randomisierte Studie zu einer Antibiotikatherapie erfordern. Da die Latenz der Krebsentstehung sehr lang ist, wäre erst nach Jahrzehnten mit einem Ergebnis zu rechnen. Schneller ließe sich klären, ob quantitative Nachweistests im Stuhlgang die Diagnostik verbessern könnte. © rme/aerzteblatt.de

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elbealsterbille
am Mittwoch, 19. Oktober 2011, 10:34

So kommt Johannes Fibiger doch noch zu Ehren. Nach und nach.

Lange galt als der 1926 an Johannes Fibiger verliehene Medizin-Nobelpreis ja als Gipfel des spektakulärsten Wissenschaftsirrtums der Neuzeit. Fibiger hatte seines Erachtens den Nachweis geführt, bei Krebs handele es sich generell um eine Infektionskrankheit. Nun, - nicht generell wie wir längst wissen. Aber doch offenbar viel öfter, als wir bisher dachten ... .

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