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Vermischtes

Modewort „Burn-out“ ist zu unpräsize

Donnerstag, 3. November 2011

Leipzig – Vor einem inflationären Gebrauch des Modewortes „Burn-out“ hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gewarnt. „Auch wenn zu begrüßen ist, dass hierdurch die große Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher und die diesbezügliche Sensibilität erhöht wird, so wird der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burn-out von vielen Betroffenen und Experten aus mehreren Gründen als Verwirrung stiftend, irreführend und längerfristig Stigma verstärkend eingeschätzt“, hieß es Anfang November aus der Stiftung.

Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, wies darauf hin, dass der Begriff „Burn-out“ nicht klar definiert sei. Entsprechend gäbe es für die psychischen Störungen, die unter Burn-out zusammengefasst würden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien.

Ein Großteil der Menschen, die wegen „Burn-out“ eine längere Auszeit nähmen, litten in Wahrheit an einer depressiven Erkrankung. Dazu gehöre auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit. Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend sei dabei, dass der Begriff „Burn-out“ eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriere.

Aber auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehe, sei jedoch nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung.

Mit dem Begriff Burn-out sei häufig die Vorstellung verbunden, dass ein ruhigerer Lebensstil eine gute Bewältigungsstrategie sei, also beispielsweise eine längere Nachtruhe und ein Urlaub. Verberge sich hinter diesem Begriff aber eine depressive Erkrankung, so seien dies keine empfehlenswerten und oft sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagierten zum Beispiel auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und Stimmungsverschlechterung.

Auch ein Urlaub sei jedem depressiv Erkrankten dringend abzuraten, da die Depression mitreise und der Betroffene den eigenen Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, im Urlaub als besonders bedrückend und schmerzlich erlebe.

Schließlich führe eine Vermengung von Stress, Burn-out und Depression zu einer Verharmlosung der Depression. „Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“, hieß es aus der Stiftung.

Depressionen dagegen seien eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression verstärke das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten und das damit assoziierte Stigma. „Der beste Weg zu einem optimalen Umgang mit der Erkrankung Depression ist es, eine Depression auch Depression zu nennen“, betonte Hegerl.

© hil/aerzteblatt.de

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