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Politik

Grüne wollen Hebammenleistungen aufwerten

Mittwoch, 9. November 2011

Berlin - Abgeordnete des Bundestags haben  am Mittwoch im Gesund­heits­ausschuss einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Aufnahme der Leistungen von Hebammen in das fünfte Sozial­gesetzbuch (SGB V) (Drucksache 17/5098) diskutiert. Bisher ist der Anspruch von Schwangeren auf Hebammen­hilfe lediglich in der Reichs­versicherungs­ordnung festgeschrieben.

Die Berufsverbände der Hebammen unter­stützen den Antrag: „Aus unserer Sicht ist der Anspruch auf Hebammenhilfe bisher nicht klar festgeschrieben“, erklärte Susanne Schäfer, erste Vorsitzende des Bunds freiberuflicher Hebammen Deutschlands. Deshalb  sei  es notwendig, die Leistungsansprüche der Schwangeren ins SGB V zu überführen und anzupassen. 

Auch der GKV-Spitzenverband begrüßt den Vorschlag der Grünen. Seiner Auffassung nach müssten Hebammen dann jedoch auch in die Bedarfsplanung mit aufgenommen werden und ihre Leistungen einer Qualitätskontrolle unterliegen. Außerdem sollten Hebammen wie Ärzte regelmäßige Fortbildungen nachweisen müssen.

Eine weitere Forderung der Grünen ist, alle infrage kommenden Geburtsorte im SGB V zu nennen, das heißt neben dem Krankenhaus auch das  Geburtshaus und die Privatwohnung bei einer Hausgeburt. Während die Hebammenverbände diesen Vorschlag begrüßten, stieß er bei den Facharztverbänden auf Kritik: „Der entscheidende Parameter bei der Wahl des Ortes ist das Überleben der Kindes und der Mutter bei der Geburt“, betonte Stephan Schmidt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für perinatale Medizin. Im Geburtshaus und bei Hausgeburten sei die Mortalität jedoch höher als in den Kliniken.

„Man muss einfach  davon ausgehen, dass die 23 Jahre Berufsausbildung, die sich in einem Kreißsaalteam finden, besser sind als die drei Jahre einer Hebamme“, stellte Schmidt fest. Deshalb könne man eine außerklinische Geburtsortempfehlung im Gesetz nicht befürworten.

Die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft wies darauf hin, dass die Studienergebnisse, wonach Hausgeburten gefährlicher seien als Klinikgeburten, keine klaren Aussagen zuließen. Auch könnten die Ergebnisse nicht einfach auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen werden. © mei/aerzteblatt.de

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bennigsen
am Dienstag, 15. November 2011, 12:10

Auf das nebeneinander kommt es an!

Ich kann mich meinem Vorredner (wgbernhard) nur anschließen.

Was spricht dagegen, den Frauen die Wahlfreiheit bezüglich des Entbindungsortes zu erhalten?

Im Übrigen sind es nicht nur 23 Jahre Berufserfahrung, die im Kreißsaal bei pathologischen Verläufen Sicherheit geben, es ist eben auch die (hoffentlich ortsnahe und richtig angewandte) technische Infrastruktur, die bei einer Hausgeburt nun einmal unbestreitbar nicht zur Verfügung steht.

Es zeugt allerdings schon von einer bemerkenswerten Arroganz und Unkenntnis in der Sache, wenn Herr Schmidt davon ausgeht, dass eine Hebamme unmittelbar nach Abschluss ihrer Berufsausbildung allein Hausgeburten leitet. Diese Unkenntnis gepaart mit den angeführten Scheinfakten zu Mortalitätsraten sollten einem schon zu denken geben.

Man könnte auch die nicht ganz unberechtigte Frage stellen, ob Herr Schmidt sich als Präsident der DGPM hier im Sinne der (satzungsgemäßen) Ziele der Gesellschaft geäußert hat, der er vorsteht, oder ob andere Interessen zu einem solch überspitzten Statement führen konnten.
wgbernhard
am Donnerstag, 10. November 2011, 09:41

Geburt als medizinisches oder physiologisches Ereignis

Nach gängiger Auffassung der evidenzbasierten Medizin kann man das Für und Wider einer Behandlungsart und damit auch eines Geburtsortes und -modus letztlich nur in einer multizentrischen, prospektiven randomisierten Studie klären. Dieselben Kollegen, die solch allgemeines Credo in anderen Bereichen einfordern, widersprechen diesem Prinzip aber bei der Geburtshilfe: Es gibt keine prospektive randomisierte Studie dazu und es wird sie nicht geben, weil es gar nicht geht! In diesem Sinne polarisierend von einem "Man muss einfach davon ausgehen" zu sprechen, ist sachlich falsch. Ich kenne keine Hebamme, die nach drei Jahren allein eine Hausgeburt machen würde, schon gar nicht bei einer Risiko-Schwangerschaft. Diese Polarisierung gegenüber insbesondere niedergelassenen und kompetenten Hebammen ist nicht angemessen.

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