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Politik

Bahr mahnt nach Todesfällen in Klinik zum Einhalten der Hygieneregeln

Freitag, 11. November 2011

Bremen/Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr rechnet nach dem Tod dreier Frühgeborener wegen eines multiresistenten Keims in Bremen mit Konsequenzen an dem Klinikum Mitte. Nach bisherigen Erkenntnissen sei es offensichtlich, dass die Hygienevorschriften auf der Frühgeborenen-Intensivstation der Klinik nicht eingehalten worden seien, sagte der FDP-Politiker heute in Berlin. Zugleich kritisierte er, dass Meldepflichten verletzt worden seien.

Bahr kündigte an, dass in zwei Wochen das Berliner Robert-Koch-Institut, das mit Experten vor Ort war, einen Abschlussbericht vorlegt. Eine Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord nannte den 23. November als Termin. Der Minister geht davon aus, dass es danach zu „Sanktionen und Konsequenzen“ kommen werde. Diese müssten jedoch vor Ort gezogen werden, fügte er unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hinzu.

Eine Woche nach Bekanntwerden der Infektionswelle am Klinikum hatte der Geschäftsführer von Gesundheit Nord, Diethelm Hansen eingeräumt, dass ein erstes Kind bereits Ende April mit dem Keim infiziert wurde. Bislang war die Klinik von einem Infektionsausbruch Ende Juli ausgegangen.

Das Gesundheitsamt war im September informiert worden. Ein Aufnahmestopp für Frühchen wurde erst im November verhängt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Auf Antrag der CDU-Fraktion soll ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt werden. Die anderen Bürgerschaftsfraktionen unterstützen den Vorstoß.

Glaeske fassungslos über Versäumnisse der Klinik
Der Bremer Gesundheitsexperte Gerd Glaeske kritisierte die Versäumnisse der Klinik scharf. Er sei „völlig fassungslos“, dass monatelang keine Informationen über die Keiminfektionen nach draußen gingen. „Wenn man ins Krankenhaus geht, erwartet man nicht, dass man krank wieder herauskommt oder sogar sein Kind verliert“, sagte Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik dem ARD-Morgenmagazin.

Auf der Frühgeborenenstation im Klinikum Bremen-Mitte waren im Juli mit sieben ungewöhnlich viele Kinder gestorben. Ein Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmkeim bestehe aber nicht, betonte die Sprecherin von Gesundheit Nord. Die Frühchen seien mit schwersten Fehlbildungen zur Welt gekommen und nicht überlebensfähig gewesen. Die Häufung sei ein tragischer Zufall.

Sonst kommen ihren Angaben zufolge zehn Frühgeborene durchschnittlich pro Jahr auf der Station ums Leben. Das Klinikum Bremen-Mitte sei Anlaufstelle für Hochrisikoschwangere und spezialisiert auf Frühgeborene. Fehlbildungen kämen bei ihnen immer wieder vor.

An dem Keim starben nach Angaben der Klinik bislang ein Kind im August und zwei im Oktober. An 23 Kindern wurde der Erreger entdeckt, mindestens neun erkrankten. © dapd/aerzteblatt.de

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WiseDoc/i
am Freitag, 11. November 2011, 19:25

Warum schon wieder ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss?

Immer, wenn ein Thema "telegen" wird, fallen diese parlamentarischen Untersuchungsausschüsse vom Himmel. Was soll der Quatsch?

Der eine Teil der Untersuchung läuft über die Staatsanwaltschaft. Der andere kann - und sollte - wenn überhaupt über die FACHLICHE Ebene geführt werden.

Man kann in Bremen sehen, dass es fachliche Probleme gab. Und kommunikative. Und wahrscheinlich ein Organisationsverschulden, und...

Wer soll die benennen und bewerten können, wenn nicht fachliche Experten, also Mikrobiologen, Pädiater, Intensivmediziner, Mikrobiologen, etc.? Und Staatsanwälte?

Die Politiker haben definitiv keine Ahnung von der Materie.

Dass dem so ist, sieht man an vielen Gesetzen. Bloß, weil Leute in Parlamenten sitzen, und dort dann auch in Gesundheitsausschüssen tätig sind, bekommen sie keinen Deut mehr Wissen und Verständnis. Deswegen läuft man Gefahr, dass die Regelungen, die hier in diesem Ausschuss herbeidiskutiert werden, blanke Theorie und blanker Hohn sind.

Wenn in Bremen Finanzmängel dazu geführt haben, dass effektiv zu wenig Personal da war, und deswegen ein Fehler (mit-) verursacht wurde, sollten die Politiker, die jetzt in die Ausschüsse wollen, AUF DIE ANKLAGEBANK. Die Politik macht nämlich in unserem Land die Gesetze, die zu so was führen, oder? Also wären die Politiker mindestens Mitschuld.

Zur Klärung der Fragen brauchen wir definitv keinen parlamentarischen Ausschuss, sondern ein ordentliches Strafverfahren, inklusive der dafür verantwortlichen Politiker, nachdem die Herrschaften ihre Immunität verloren haben.

Es gibt hier mehr als eine Kausalität, und Sparen im Gesundheitswesen ist auch ein Schuldhafte Ursache.

Nur als Frage: Warum haben denn ggf. die Norddeutschen Krankenhäuser weniger Geld aus den DRG-Erlösen als die Süddeutschen? Kann das eine Ursache der Probleme sein?

Zu ersterer Frage gab es vor einiger Zeit eine Publikation, in der es hieß, dass die Norddeutschen Kliniken vor der Einführung der DRGs bereits besser (und stärker) rationalisiert und rationiert hätten, und deswegen immer stärker in der Abwärtsspirale der Erlöse stecken, als die Süddeutschen. Aber: sind die Menschen im Norden weniger Wert als die Menschen der FALKen im Süden?

Ehrlicher wäre es, eine Kommission aus wirklichen Fachleuten zusammenzusetzen, die die Probleme benennen, und Lösungsvorschläge machen sollen. Diese müsste die Politik dann 1:1 umsetzen.

Man sollte mal nachlesen, was in den bisherigen Gesetzgebungsverfahren von den Experten eingebracht, aber von den Politikern nicht umgesetzt wurde. Das könnte interessant sein...

Alles andere ist doch nur Parteigeblubber, bei dem absehbar NICHTS herauskommen wird - allein weil die Parlamentarier unliebsame Dinge notfalls geheim abhandeln können.

Letztlich ganz einfach argumentiert:

Es darf keine Untersuchungsausschüsse geben. Legislative und Judikative sind in diesem Land getrennt. Es kann nicht sein, dass die Parlamentarier ihre eigenen Gesetze bewerten - das ist zu viel Deutungshoheit im Nirvana der Unfachlichkeit.

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