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Politik

Pflegereport 2011: Pflegebedürftig­keitsrisiko steigt

Dienstag, 29. November 2011

Berlin – Die Zahl der Pflege­bedürftigen ist zwischen 1999 und 2009 von 2,02 Millionen auf 2,34 Millionen gestiegen. Die Zunahme geht jedoch ausschließlich auf die Alterung der Bevölkerung zurück, das altersspezifische Pflegerisiko bleibt konstant. Das geht aus dem Barmer GEK Pflegereport 2011 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, in ihrem Leben pflegebedürftig zu werden, sei für Männer, die das 30. Lebensjahr erreichen, von 41 Prozent im Jahr 2000 auf 50 Prozent im Jahr 2009 gestie­gen, erklärte einer der Autoren des Reports, Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen.

Für Frauen sei es im selben Zeitraum von 65 auf 72 Prozent gestiegen. „Bereits heute werden somit jeder zweite Mann und zwei von drei Frauen im Laufe des Lebens pflegebedürftig“, sagte Rothgang. „Bei weiterhin steigenden Lebenserwartungen ist damit zu rechnen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.“

Rothgang kritisierte, dass die Bundesregierung in ihren Eckpunkten zur Pflegereform allein eine Verbesserung der Pflege von Demenzkranken plant. „Sinnvoller als die Schaffung einer neuen Sonderregelung für eine spezifische Zielgruppe wäre die zügige Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs“, so Rothgang.
 

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Pflegebedürftigkeitsbegriff kostet MilliardenDieser berücksichtige die Belange von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz systematisch und mache weitere Sonderregelungen überflüssig. Die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, für dessen Ausgestaltung der Pflegebeirat bereits vor zwei Jahren Vorschläge gemacht hatte, führe jedoch zu Mehrausgaben von rund drei Milliarden Euro. Die Bundesregierung plant demgegenüber ab dem Jahr 2013 lediglich ein Plus von 1,1 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung.

Rothgang kritisierte auch die in den Eckpunkten enthaltene Schaffung eines sogenannten Pflege-Bahrs, einer freiwilligen, kapitalgedeckten, privaten Pflegezusatzversicherung. Denn dadurch würden nur Menschen, die ohnehin zusätzlich privat versichert seien, steuerlich subventioniert. „Gerade einkommensschwache Haushalte werden aber auf den Abschluss einer solchen Versicherung verzichten und dann im Fall der Pflegebedürftigkeit wieder verstärkt auf die Sozialhilfe zurückgreifen müssen“, so Rothgang.

Der stellvertretende Vorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, bezeichnete die Eckpunkte zur Pflegeversicherung als kleinen Schritt in die richtige Richtung. Von entscheidender Bedeutung sei der Verzicht der Bundesregierung auf die ursprünglich in der Koalitionsvereinbarung vorgesehene obligatorische und individuelle Kapitaldeckung für das Pflegerisiko.

Ansonsten biete das Eckpunktepapier ein Bündel sinnvoller Einzelmaßnahmen, zum Beispiel die Förderung neuer Wohnformen oder die Stärkung der Rehabilitation. Auch eine flexiblere Ausgestaltung der Leistungen, wonach zwischen Leistungspaketen und Zeiteinheiten gewählt werden könne, scheine durchaus sinnvoll.

„An entscheidender Stelle tritt die Koalition aber auf der Stelle“, kritisierte auch Schlenker. „Vor zwölf Monaten haben wir bereits anlässlich des Pflegereports 2010 darauf gedrungen, die vorliegende Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs zügig in die Praxis umzusetzen.“ Nach einhelliger Expertenmeinung sei dies die Schlüsselvoraussetzung für eine systematische Modernisierung der Pflegeversicherung. Schlenker: „Das wurde nun wieder auf die lange Bank geschoben.“

© fos/aerzteblatt.de

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