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Politik

Verband gegen deutschen Sonderweg bei Pflegeausbildung

Dienstag, 3. Januar 2012

Berlin – „Kurzsichtigkeit und Isolation der deutschen Politik bei der Frage der Zulassung zur Pflegeausbildung“ hat der Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung, Frank Weidner, der Politik vorgeworfen.

Deutsche Gesundheitspolitiker aus der Bundesregierung und der Opposition hatten sich zuvor unisono gegen die Absicht der EU-Kommission gestellt, europaweit einheitlich zwölf Jahre Allgemeinbildung als Zugangsvoraussetzung zur Pflegeausbildung festzulegen. In 24 der 27 EU-Mitgliedsstaaten gilt dies heute, in Deutschland sind es bislang zehn Jahre.

Neue berufliche Anforderungen für Krankenschwestern und Krankenpfleger sowie Hebammen machen nach Auffassung der Kommission diese Anpassung der Qualifikation notwendig. In Deutschland bewerten Politiker der Bundesregierung und der Opposition die Sache allerdings anders. So sieht Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) keine Notwendigkeit, „weshalb nur noch Abiturienten Pfleger werden dürfen.

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Es kommt viel mehr auf die soziale Kompetenz als auf ein oder zwei Jahre mehr in der Schulzeit an“, hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meint, dass „für uns in der Richtlinie kein Gewinn zu sehen ist“. Insgesamt befürchten die Politiker, dass sich der Fachkräftemangel in der Pflege durch die Änderungen noch verstärken würde. Außerdem stehe die deutsche Pflege in Europa gut da.

Laut Weidner ist diese Haltung „unkundig, kurzsichtig und auch überheblich“. Er erinnerte daran, dass 2009 die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Pflegeausbildung in Deutschland für Hauptschüler geöffnet habe. Dies sei ohne nennenswerte Wirkung auf den Fachkräftemangel geblieben, aber mit erheblichem Imageschaden der bundesdeutschen Pflege in Europa einhergegangen.

„Angesichts der jetzt auf dem Tisch liegenden Änderungsvorschläge der EU-Richtlinie muten die Positionen bundesdeutscher Gesundheitspolitiker wie eine Geisterfahrt auf der europäischen Zukunftsautobahn Pflege an“, sagte Weidner.

© hil/aerzteblatt.de

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