NewsMedizinArmut plus Gestationsdiabetes macht ADHS
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Armut plus Gestationsdiabetes macht ADHS

Dienstag, 3. Januar 2012

Flushing – Das Zusammentreffen von biologischen und sozialen Risiken könnte ein wichtiger Auslöser der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. In einer Kohortenstudie in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine (2012; doi: 10.1001/archpediatrics.2011.784) war das Erkrankungsrisiko um den Faktor 14 erhöht, wenn die Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status stammten und die Mütter während der Schwangerschaft an einem Gestationsdiabetes litten.

Da die ADHS familiär gehäuft auftritt, hat die Forschung bisher nach genetischen Ursachen gesucht. „Umweltbedingungen“ könnten jedoch ebenfalls eine Rolle spielen. Als kritische Phase für die Hirnentwicklung gilt das zweite und dritte Trimenon der Schwangerschaft.

In diese Zeit fällt der Gestationsdiabetes, dessen Prävalenz in den letzten Jahrzehnten infolge der veränderten Lebens- und wohl auch der Ernährungsbedingungen vor allem in den ärmeren Bevölkerungsschichten angestiegen ist, da die als ungesund eingestuften ungesättigten Fettsäuren, Zucker und Fertigprodukte zu den preisgünstigen Nahrungsmitteln gehören. Beides, der gestörte Blutzuckerstoffwechsel und die soziale Deprivation, könnten sich ungünstig auf die Entwicklung des Gehirns auswirken.

Die Gruppe um Jeffrey Halperin vom Queens College in Flushing im US-Staat New York hat jetzt erstmals in einer retrospektiven Studie den kombinierten Einfluss beider Faktoren untersucht. Die Forscher führten bei 212 Kinder im Alter von 3 bis 4 Jahren und danach im Alter von 6 Jahren ausführliche Tests durch.
 

Anzeige

Bei den Kindern von Müttern mit Gestationsdiabetes wurden häufiger Symptome der Unaufmerksamkeit gefunden. Ein niedriger sozioökonomischer Status war mit Symptomen von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität assoziiert. Für sich genommen war das Risiko einer ADHS-Diagnose bei den beiden Risikogruppen nur mäßig erhöht.

Erst das Zusammentreffen der beiden Faktoren ergab dann die erstaunliche Odds Ratio von 14,3. Diese Gruppe bestand jedoch gerade einmal aus 9 Kindern, was das weite 95-Prozent-Konfidenzintervall (2,14 bis 95,88) erklärt und das Ergebnis relativiert.

Auch die Tatsache, dass die Diagnose des Gestationsdiabetes von der Mutter erfragt wurde, gehört zu den Schwächen der Studie, die eher eine wissenschaftliche Hypothese aufstellen, als diese beweisen dürfte.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. November 2020
Bloomington/Indiana – Eine pränatale Exposition mit dem Antiepileptikum Valproat, das bereits für Fehlbildungen verantwortlich gemacht wird, könnte auch die Entwicklung von Autismus-Spektrum-Störungen
Studie: Valproinsäure in der Schwangerschaft erhöht Risiko auf Autismus und ADHS
12. Oktober 2020
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Staatengemeinschaft zu einem entschiedeneren Kampf gegen den Hunger in der Welt aufgefordert. Das erklärte Ziel sei es, den Hunger bis 2030
Merkel wünscht sich mehr Anstrengungen im Kampf gegen Hunger in der Welt
9. Oktober 2020
Oslo – Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Das gab das norwegische Nobelkomitee heute in Oslo bekannt. Die UN-Organisation werde damit
UN-Welternährungsprogramm erhält Friedensnobelpreis
8. Oktober 2020
Berlin/Washington – Wegen der Coronakrise werden nach Einschätzung der Weltbank in diesem Jahr bis zu 115 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut stürzen. Das geht aus dem gestern in Washington
Weltbank: Coronakrise stürzt 115 Millionen Menschen in Armut
30. September 2020
Wiesbaden – Ältere Menschen in Deutschland sind zunehmend von Armut bedroht. Der Anstieg der Armutsgefährdungsquote seit dem Jahr 2005 sei in der Gruppe ab 65 Jahren am größten gewesen, teilte das
Armutsgefahr steigt besonders bei Generation 65 plus
2. September 2020
New York – Die Coronakrise wird nach einer Einschätzung der Vereinten Nationen (UN) die Armut von Frauen und Mädchen weltweit deutlich verschlimmern. Eigentlich sei zwischen 2019 und 2021 eine
Coronakrise wird UN zufolge Armut bei Frauen und Mädchen verschlimmern
27. August 2020
Berlin – Das Hilfswerk „Brot für die Welt“ hat vor einem Anstieg der Hungernden weltweit wegen der Coronapandemie gewarnt. „Wir stehen vor einer neuen Hungerkrise“, erklärte die Präsidentin des
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER