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Medizin

Tiefe Hirnstimulation lindert auch Bipolare Depressionen

Dienstag, 3. Januar 2012

Atlanta – Eine tiefe Hirnstimulation kann Depressionen lindern. Die Wirkung scheint nach einer Studie in den Archives of General Psychiatry (2012; doi: 10.1001/archgenpsychiatry.2011.1456) mit der Dauer der Stimulation sogar zuzunehmen. Die Behandlung war auch bei Patienten mit Bipolarer Störung II effektiv und sicher.

Während die Tiefe Hirnstimulation beim Morbus Parkinson zu den etablierten Therapieansätzen gehört, wurden bei anderen Hirnerkrankungen erst vereinzelte Erfahrungen gesammelt. Zu den Pionieren dieser Behandlung bei der Major-Depression gehört die Gruppe um Helen Mayberg, die seit Jahren zuerst in Toronto und jetzt an der Emory Universität in Atlanta Patienten mit schweren Major-Depressionen behandelt. Zielort der Tiefen Hirnstimulation ist die Area subcallosa des Gyrus cinguli (Brodmann-Areal 25), die auch von einigen deutschen Teams bevorzugt wird (Alternative Regionen sind Nucleus accumbens, Capsula interna oder Habenula).
In der aktuellen Studie wurden 17 Patienten mit schweren therapierefraktären Depressionen behandelt. Darunter waren erstmals sieben Patienten mit einer Bipolaren Störung, bei der die Depressionen sich mit leichten hypomanischen Perioden ablösen.

Alle Patienten hatten die mildere Variante der Bipolaren Störung II, bei der es nicht zur ausgeprägten Manie kommt, die mit einem erhöhten Suizidrisiko einhergeht. Suizide könnten im Prinzip auch bei einer Tiefen Hirnstimulation als Komplikation auftreten, falls die elektrische Stimulation zu einer überschießenden Steigerung von Antrieb und Stimmung führen sollte.
 

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Auch in der Studie kam es zu zwei Suizidversuchen: Einer der Patienten litt jedoch an einer Major-Depression (ohne hypomanische Zustände), und die Suizidideation besserte sich ohne Änderung von Hirnstimulation oder Medikation. Der zweite Suizidversuch betraf einen Patienten mit Bipolarer Störung II. Sie trat in der Nachbeobachtungsphase auf. Mayberg sieht deshalb keinen Zusammenhang mit der Behandlung. Die einzige schwere Komplikation in der Studie waren zwei Infektionen bei einem Patienten, die die Explantation der Elektroden zur Folge hatte.

Eine weitere Besonderheit der Studie war eine „Sham“-Periode. Die Stimulationsgeräte wurden ohne Wissen der Patienten erst vier Wochen nach der Implantation eingeschaltet. Interessanterweise kam es während dieser Zeit bereits zu einer gewissen Verbesserung der Depressionen.

Diese Placebowirkung wurde in den folgenden 2 Jahren jedoch durch die aktive Stimulation in den Schatten gestellt. Die Ansprechrate stieg im Verlauf der Zeit von 41 Prozent nach 24 Wochen auf 92 Prozent nach 2 Jahren. Eine Remission der Depression wurde bei 18 Prozent und später 58 Prozent erzielt.

Bei keinem Patienten, der eine Remission erzielte, kam es bisher zu einem Rückfall, versichern die Autoren. Die Ergebnisse waren bei den Patienten mit Bipolarer Störung nicht schlechter als bei Patienten mit Major-Depression.

Diese Patienten, die zuvor seit Jahren unter einer schweren Depression gelitten haben, sollen jetzt wieder ins Alltagsleben integriert werden. Bei dieser Rehabilitation setzen die Forscher übrigens auf die Unterstützung von psychotherapeutischen Behandlungen. Die beiden entgegensetzten Therapieansätzen sollen sich demnach ergänzen.

© rme/aerzteblatt.de

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