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Medizin

Bariatrische Chirurgie „halbiert“ kardiovaskuläres Sterberisiko

Mittwoch, 4. Januar 2012

Göteborg – Die neueste Auswertung der schwedischen SOS-Studie bestätigt, dass die Gewichtsreduktion nach bariatrischer Operation auch nach 20 Jahren noch Bestand hat. Inzidenz und Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden laut der Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; 307: 56-65) gesenkt. Die präventive Wirkung könnte aber auf Patienten mit weiteren Risikofaktoren wie Diabetes oder Hypertonie beschränkt sein.

Die Swedish Obese Subjects (SOS) ist die älteste Vergleichsstudie zu den Langzeiteinflüssen von Magenverkleinerung oder Darmverkürzung auf die Gesundheit. Von September 1987 bis Januar 2001 unterzogen sich 2010 Männer mit einem BMI von wenigstens 34 oder Frauen mit einem BMI von wenigstens 38 einer bariatrischen Operation (Gastroplastik 68 Prozent, Magenband 19 Prozent, Magenbypass 13 Prozent). Ihnen wurden in einer nicht-randomisierten Studie 2037 Patienten gegenübergestellt, bei denen keine Operation durchgeführt wurde.

In früheren Publikationen hat die Gruppe um Lars Sjöström von der Sahlgrenska Universitätsklinik in Göteborg bereits mitgeteilt, dass die operierten Patienten seltener an einem Typ-2-Diabetes mellitus erkranken (NEJM 2004; 351: 2683-2693). Nach etwa 11 Jahren war auch die Gesamtsterblichkeit gesunken (NEJM 2007; 357: 741-52).
 

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Inzwischen sind im Durchschnitt 14,7 Jahre seit der Operation vergangen. Das Körpergewicht hat sich seit der letzten Auswertung kaum noch verändert. Hochgerechnet auf 20 Jahre erzielen die Operationen eine Gewichtsreduktion um 18 Prozent (wobei der Effekt eines Magenbypasses größer ist als nach Gastroplastik oder Magenband).

Die jetzt vorgestellten Daten zeigen außerdem, dass die bariatrischen Operationen die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle halbiert: Erst 28 der operierten Patienten sind an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt gestorben. Gegenüber 49 kardiovaskulären Todesfällen in der Kontrollgruppe ergibt dies in der adjustierten Analyse eine Reduktion um 53 Prozent (Hazard Ratio 0,47; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,29-0,76).

Da die Gesamtzahl der Ereignisse insgesamt niedrig war, fällt die absolute Reduktion gering aus: Sie sinkt von 2,40 Prozent (49 von 2037 Nichtoperierte) auf 1,39 Prozent (28 von 2010 Operierten) gerade einmal um einen Prozent.

Ähnlich sieht es in einem weiteren Endpunkt der Studie aus, der Zahl der tödlichen oder nicht-tödlichen Herzinfarkte: Hier stehen 199 Ereignisse bei den Operierten 234 Ereignissen bei den Nicht-Operierten gegenüber. Die relative Reduktion beträgt 33 Prozent (adjustierte Hazard Ratio 0,67; 0,54-0,83;). Die absolute Reduktion von 11,5 Prozent (234 von 2037 Nicht-Operierten) gegenüber 9,9 Prozent (199 von 2010 Patienten) beträgt nur 1,6 Prozent.

Dieser geringe Gegenwert für eine das Leben verändernde, wenn nicht belastende Operation wirft für den Editorialisten Edward Livingston vom Southwestern Medical Center in Dallas die Frage auf, ob ein exzessives Übergewicht allein ein ausreichender Grund für eine bariatrischen Operation ist – zumal das Design der nicht-randomisierten SOS-Studie nicht vollständig ausschließen kann, dass sich gesundheitlich motivierte Adipöse bevorzugt für eine Operation entschieden haben, und die Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse auf andere Faktoren als den Gewichtsverlust zurückzuführen ist.

Livingston plädiert dafür, die Indikation stärker an die echten Risikofaktoren wie Typ-2-Diabetes mellitus oder Stammfettsucht zu orientieren. Für diese Ansicht lassen sich Argumente in den Subgruppen-Analysen der aktuellen Publikation zur SOS-Studie finden. Dort war nämlich ein signifikanter Therapieeffekt nur für Patienten mit Diabetes oder erhöhtem diastolischen Blutdruck oder einem Taillenumfang von über 122 cm nachweisbar. Der Einfluss des BMI war dagegen nicht signifikant.

Der von vielen Patienten genannte Beweggrund für die Operation, sie wollten nicht an ihrer Fettsucht sterben, trifft laut Livingston nicht den Kern. Solange es nicht zu anderen Folgen wie Hypertonie oder Diabetes kommt, sei der Einfluss der Adipositas auf die Lebensspanne vermutlich minimal, schreibt Livingston.

© rme/aerzteblatt.de

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