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Medizin

ASS: In der Primärprävention überwiegen die Risiken

Dienstag, 10. Januar 2012

London – Während die Therapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) nach Herzinfarkt und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als evidenzbasiert eingestuft wird, ist der Einsatz in der Primärprävention umstritten. Nach den Ergebnissen einer Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/archinternmed.2011.628) überwiegen die Nachteile.

Die Gruppe um Kausik Ray von der St. George's Universität in London stützt ihre Meta-Analyse auf neun randomisierte klinische Studien mit jeweils mehr als 1.000 Teilnehmern. Sie litten weder an einer koronaren Herzkrankheit, noch war es bei ihnen zu einem Herzinfarkt gekommen, als sie im Durchschnittsalter von 57 Jahren die Primärprävention mit ASS (oder einem Placebo) begannen. Das Ziel der Primärprävention war die Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse, die bei diesen relativ gesunden Probanden in der relativ kurzen Nachbeobachtungszeit von etwa 6 Jahren jedoch recht selten eintraten: Ray zählt in 700.000 Personen-Jahren gerade einmal 2169 Herzinfarkte, davon 592 mit tödlichem Ausgang. 
 

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Darüber hinaus erzielte die Primärprävention mit ASS nur eine sehr bescheidene 10-prozentige Reduktion der Herz-Kreislauf-Ereignisse: Die Odds Ratio von 0,90 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,85 bis 0,96 zwar signifikant. Die Number Needed to Treat ist mit 120 Personen, die über sechs Jahre ASS nehmen müssen, um ein Ereignis zu vermeiden, recht hoch.

Da vor allem nicht-tödliche Herzinfarkte vermieden werden, dürfte der Anstieg der „nicht-trivialen“ Blutungen durch ASS auf der Waagschale einer Leitlinien- Empfehlung das größere Gewicht haben. Ray ermittelte eine Odds Ratio von 1,31 (1,14-1,50) und eine Number needed to Harm von 73. Diese Bilanz gilt wie erwähnt nur für die Primärprävention. In der Sekundärprävention ist ASS nicht umstritten.

© rme/aerzteblatt.de

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