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Politik

Behörde sieht keine eigenen Fehler im Brustim­plantate-Skandal

Mittwoch, 11. Januar 2012

Berlin – Beim Skandal um mangelhafte Brustimplantate aus Frankreich hat das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte den Vorwurf zurückgewiesen, die Tragweite des Falls verschlafen zu haben. Der Rat, alle Implantate der Firma PIP zu entfernen, schien bis vor kurzem noch nicht zwingend erforderlich, sagte Präsident Walter Schwerdtfeger heute im ZDF-Morgenmagazin. Mittlerweile seien 25 deutsche Frauen bekannt, denen mindestens ein Implantat in der Brust gerissen sei.

Erst in den vergangenen Tagen hätten Ärzte mitgeteilt, dass das Innenmaterial (Silikon) der Implantate in einem „unerwartet großen Ausmaß“ aus den Hüllen aussickere, auch wenn diese scheinbar noch intakt seien, sagte Schwerdtfeger. Diese Masse sei dann in das Brustgewebe eingedrungen. Merke die Frau dies nicht, könne sie sich weiter ausbreiten. Jedoch stelle Schwerdtfeger klar, dass eine erhöhte Krebsrate bei Trägerinnen der PIP-Implantate nicht belegt sei.

Deutsche Ärzte meldeten erst ab 2. Januar konkrete Probleme
Behördensprecher Maik Pommer erläuterte, deutsche Ärzte hätten erst ab dem 2. Januar konkrete Probleme mit Implantaten der französischen Firma PIP mitgeteilt. Als sich die Hinweise mehrten, habe die Behörde am 6. Januar geraten, die Implantate entfernen zu lassen.

Alle Frauen könnten nach einer Brust-OP selbst überprüfen, welche Implantate in ihrem Körper seien, riet das Bundesinstitut. Dazu erhalte jede Patientin einen Implantatpass, in dem auch der Hersteller des Silikonkissens genannt sei. Ärzte oder Kliniken müssten diese Information bis 20 Jahre nach einer Operation aufbewahren.

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Der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)Deutschlands, Jürgen Windeler, forderte unterdessen einen strengeren Marktzugang für Medizinprodukte gefordert. Für Produkte mit hoher Risikoklasse wie Kniegelenke, Herzschrittmacher oder Hüftprothesen sollten im Grundsatz die gleichen Voraussetzungen gelten wie für Arzneimittel, sagte Windeler der taz vom Donnerstag. Auch die Niederlande empfehlen die Entfernung der Implantate.

Windeler betonte, ein strengerer Marktzugang für Medizinprodukte, die länger im Körper bleiben, sei „im Interesse der Patienten“. Die derzeitige gesetzliche Regelung „hängt die Hürden niedrig und ist unbefriedigend“, kritisierte er.

Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, Carola Reimann (SPD), und die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Birgitt Bender, unterstützen diese Initiative. „Wir werden uns im Bundestag dafür einsetzen, dass Medizinprodukte der höheren Gefahrenklasse auf diese Weise künftig strenger überwacht werden“, sagte Bender der „taz“.

Reimann kritisierte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP), der eine europaweite gesetzliche Verschärfung des Marktzugangs von Medizinprodukten ablehnt. Dessen Verweigerungshaltung sei nicht nachvollziehbar.

© dapd/aerzteblatt.de

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