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Medizin

Marathon: Risiko von Herzstillständen gering

Donnerstag, 12. Januar 2012

dapd

Boston – Entgegen dem Aufsehen, die entsprechende Zwischenfälle in den Medien auslösen, sind Todesfälle durch ein plötzliches Herzversagen bei öffentlichen Marathon-Läufen selten. Laut einer US-Studie treten sie vor allem bei Männern und Personen mit kardialen Vorerkrankungen auf.

Auf dem letztjährigen Boston Marathon sind gleich drei Männer hinter der Ziellinie kollabiert. Bei allen dreien diagnostizierten die Kardiologen in der Klinik eine akute koronare Thrombose, sprich Herzinfarkt. Bei dem erstem 45-jährigen Mann zeigte die Koronarangiographie eine 70-prozentige Stenose der LAD. Dieser Abschnitt der linken Koronarie war beim zweiten 55-jährigen Mann vollständig verlegt, während der dritte 49-jährige Mann sogar eine schwere Dreigefäßerkrankung mit Verlegung des Ramus circumflexus der linken Koronarie (LCx) aufwies. Dieser Patient musste im kardialen Schock erneut reanimiert werden, konnte die Klinik aber nach acht Tagen mit drei Stents verlassen. Die anderen beiden Patienten erhielten nur einen einzelnen Stent.

Die drei von Navin Kapur vom Tufts Medical Center in Boston im New England Journal of Medicine (NEJM 2012; 366: 184-185) mitgeteilten Fälle sind jedoch die Ausnahme, wie die Analyse des Race Associated Cardiac Arrest Event Registry (RACER) zeigt (NEJM 2012; 366: 130-40). Die Datenbank umfasst alle Marathon- und Halbmarathon-Wettbewerbe in den USA für den Zeitraum vom Januar 2000 bis Mai 2010.

Unter den 10,9 Millionen Teilnehmern gab es laut der Gruppe um Aaron Baggish vom Massachusetts General Hospital in Boston 59 plötzliche Herzstillstände, davon 40 nach einem Marathon und 19 nach einem Halbmarathon. Das ergibt eine Inzidenzrate 0,54 pro 100.000 Teilnehmern, die nicht auffällig hoch ist.
 

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Auffällig war allerdings, dass 51 der 59 Herzstillstände bei Männern auftraten. Das ist mehr als dem Anteil der Männer an den Wettbewerben entspricht, sodass Kapur eine deutlich höhere Inzidenzrate für Männer (0,9 vs. 0,16/100.000) errechnet. Bei den Männern ist die Inzidenzrate in den letzten Jahren (auf 1,03/100.00 in 2005-2010) angestiegen. Kapur führt dies auf eine höhere Inzidenz der hypertrophischen Kardiomyopathie bei Männern und den früheren Eintritt der Atherosklerose zurück. Die hypertrophische Kardiomyopathie war die häufigste Todesursache beiden 23 Teilnehmern, die nach dem Tod obduziert werden konnten.

Positiv zu vermerken ist, dass 17 der 59 Patienten (29 Prozent) den plötzlichen Herzstillstand überlebten. Die Erfolgsrate der Reanimation war damit höher als bei anderen plötzlichen Herzstillständen außerhalb von Kliniken (8 Prozent), was aber mit den günstigen Versorgungssituationen am Rande der Massenveranstaltung zusammenhängen dürfte.

Die Chance auf eine erfolgreiche Reanimation war übrigens bei älteren Teilnehmern höher als bei jungen. Kapur führt dies darauf zurück, dass die jüngeren Opfer häufiger an einer hypertrophischen Kardiomyopathie litten, bei der die Wiederbelebungschancen schlechter sind als nach einem koronaren Ereignis. Anders als bei den drei Fallberichten vom letzten Boston-Marathon wurden in dem Register keine Fälle einer akuten Ruptur von Koronarplaques gefunden, der üblichen Ursache eines Herzinfarktes. Es lagen jedoch Stenosen vor, die eine belastungsinduzierte Myokardischämie erklären.

© rme/aerzteblatt.de

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