Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Stummes Vorhofflimmern als Schlaganfallrisiko

Donnerstag, 12. Januar 2012

Hamilton – Ein Vorhofflimmern wird von den meisten Patienten zunächst nicht bemerkt. Es geht aber in der subklinischen Phase bereits mit einem erheblichen Schlaganfallrisiko einher. Dies zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (2012; 366: 120-129).

Etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle werden auf ein klinisches Vorhofflimmern zurückgeführt. Auslöser ist in der Regel ein Thrombus, der sich im dysfunktionalen linken Vorhof bildet und via Ventrikel in die arterielle Strombahn gelangt und dann eine Hirnarterie verlegt. Es ist seit längerem bekannt, dass ein Vorhofflimmern von vielen Patienten nicht bemerkt wird.

Unklar war jedoch, ob auch diese subklinische Erkrankung mit einem Schlaganfallrisiko verbunden ist. Die Frage kann jetzt beantwortet werden, weil eine zunehmende Zahl von Menschen mit modernen Herzschrittmachern oder implantierten Cardioverter-Defibrillator (ICD) versorgt werden, die die Herzaktivität aufzeichnen. Kardiologen können sie später auswerten.

Die Asymptomatic Stroke and Atrial Fibrillation Evaluation in Pacemaker Patients Trial (ASSERT) umfasst 2.580 Schrittmacher- oder ICD-Träger, die zu Beginn der Studie nicht an einem Vorhofflimmern litten. Schon in den ersten 3 Monaten der Studie kam es bei 10 Prozent der Teilnehmer zu einer subklinischen atrialen Tachyarrhythmie. In der gesamten Beobachtungszeit von 2,5 Jahren traten sie bei fast 35 Prozent der Teilnehmer auf. Ein subklinisches Vorhofflimmern war achtmal häufiger als ein klinisches Vorhofflimmern und es ging mit einem 2,5-fach erhöhten Schlaganfallrisiko einher, berichtet Jeff Healey von der McMaster University in Hamilton/Ontario. Nach seinen Berechnungen könnte das subklinische Vorhofflimmern für nicht weniger als 13 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich sein.

Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern (und einem definitiv erhöhtem Schlaganfallrisiko) werden heute mit oralen Antikoagulanzien behandelt. Ob auch Patienten mit asymptomatischem Vorhofflimmern von dieser Behandlung profitieren, ist bisher nicht untersucht worden.

Die Zufallsdiagnose einer kurzen asymptomatischen Phase eines Vorhofflimmerns im EKG berechtigt deshalb nicht zu einer Therapie, solange der Einsatz nicht durch Studien belegt ist, warnt der Editorialist Gervasio Lamas Mount Sinai Medical Center in Miami Beach (NEJM 2012; 366: 178-180). © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

01.06.17
Experten fordern flächendeckendes Screening auf Vorhofflimmern
Berlin – Ein flächendeckendes Screening auf Vorhofflimmern könnte weltweit hunderttausende Schlaganfälle verhindern. Das schreibt das internationale Expertengremium AF-Screen in einem Aufruf, der in......
21.03.17
Katheterablation: Dabigatran mit geringerem Blutungsrisiko als Vitamin K-Antagonist
Baltimore – Der Thrombinhemmer Dabigatran hat in einer randomisierten Studie das Schlaganfallrisiko einer Katheterablation des Vorhofflimmerns ebenso effektiv gesenkt wie der Vitamin-K-Antagonist......
27.02.17
Schlaganfall: Verlängertes Langzeit-EKG erkennt Vorhofflimmern häufiger
Göttingen – Die Chance, ein Vorhofflimmern zu diagnostizieren, das bei vielen Patienten nur zeitweise auftritt, kann durch die Verlängerung des EKG-Monitorings von 24 Stunden auf zehn Tage deutlich......
23.01.17
Vorhofflimmern: Register ermittelt hohe Erfolgsrate, aber auch Risiken der Katheterablation
Barcelona – Die Katheterablation, eine relativ neue Behandlung des Vorhofflimmerns, hat sich in einem europäischen Register bei drei von vier Patienten als erfolgreich erwiesen. Die Behandlung ist......
16.11.16
Boston – Das neue orale Antikoagulans Rivaroxaban, das bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern bereits zur Prophylaxe von Schlaganfällen zugelassen ist, kann auch eingesetzt werden, wenn......
02.11.16
Hong Kong – Die Nutzung einer speziellen App könnte dazu beitragen, eine Reihe von bisher unentdeckten Fällen von Vorhofflimmern zu detektieren. In der Zeitschrift Heart, einem Journal der BMJ-Gruppe,......
05.10.16
Silver Spring – Unter den Medicare-Begünstigten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern, die eine orale Antikoagulation mit Rivaroxaban begonnen haben, ist es laut einer retrospektiven Auswertung von......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige