NewsMedizinMit grünem Tee und Lasern gegen Alzheimer
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Mit grünem Tee und Lasern gegen Alzheimer

Freitag, 13. Januar 2012

Ulm – Mit einem Extrakt aus grünem Tee und rotem Laserlicht wollen Forscher um den Ulmer Wissenschaftler Andrei Sommer die Alzheimersche Krankheit therapieren. Die Arbeitsgruppe ist im Institut für Mikro- und Nanomaterialien, Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik der Universität Ulm, angesiedelt. Die Forscher veröffentlichten ihre Thesen in der Fachzeitschrift „Photomedicine and Laser Surgery“ (2012; 30: 54-60).

Materialwissenschaftler und Ingenieure hatten bei der Untersuchung von nanoskopisch dünnen Wasserschichten auf nanokristallinem Diamant festgestellt, dass sich diese bei Bestrahlung mit rotem Laserlicht ausdehnen. Nach Ende der Laserbestrahlung ziehen sich die Wasserschichten wieder zusammen. Diese Erkenntnisse gelten auch für Wasserfilme in lebenden Zellen.

Beim Zusammenziehen können die Zellen Substanzen aus der unmittelbaren Umgebung aufnehmen. Kurz zuvor war laut der Arbeitsgruppe in Modell-Experimenten gezeigt worden, dass die Substanz EGCG aus grünem Tee Beta-Amyloid-Plaques (Aβ) bekämpfen kann. Die Forscher haben diese beiden Erkenntnisse kombiniert und auf menschliche Neuroblastomzellen übertragen.
 

Anzeige

Im Modell-Experiment haben sie Neuroblastomzellen, die Aβ im Zellinneren angereichert hatten, EGCG ausgesetzt und mit Laserlicht der Wellenlänge 670 Nanometer bestrahlt. Bereits die EGCG-Behandlung konnte Aβ-Ablagerungen um die Hälfte reduzieren. Eine Minute alleinige Laserbestrahlung führte zu einer Verringerung von 20 Prozent. Nach der Kombinationsbehandlung aus EGCG und rotem Laser wiesen die Forscher rund 60 Prozent weniger Ablagerungen nach. Genaue Mechanismen seien Gegenstand weiterer Forschung, hieß es.

Laserstrahlen im Bereich Rot bis Nahinfrarot wirken durch mehrere Zentimeter Gewebe und theoretisch auch durch die Schädeldecke hindurch. „Laserlicht in diesem Bereich wird bereits seit Jahren klinisch eingesetzt. In Kombination mit EGCG und anderen potentiellen Aβ-Zerstörern bieten sich vielversprechende Forschungsmöglichkeiten – mit dem Ziel Aβ-Ablagerungen im Gehirn zu verringern“, sagte Sommer.

Neben Sommer waren an dem Projekt Hans-Jörg Fecht und Dan Zhu von der Universität Ulm beteiligt. Sie haben eng mit Forschern der Universität Heidelberg sowie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin zusammengearbeitet.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

5. Dezember 2019
Essen – Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) hat dazu aufgerufen, Demenzkranken auf Augenhöhe zu begegnen. Das Leitbild des Handelns solle dabei sein, Menschen mit
Behandlung von Demenzkranken: „Eine mitfühlende Haltung entwickeln“
28. November 2019
Durham – Ein 6-monatiges Sportprogramm und eine gesunde DASH-Ernährung haben bei bewegungsarmen älteren Männern und Frauen in einer randomisierten klinischen Studie die kognitiven Fähigkeiten deutlich
Diät und Sport verbesserten in Studie kognitive Fähigkeiten um 8 Lebensjahre
25. November 2019
London – Der britische Premierminister Boris Johnson will im Falle eines Wahlsiegs die Finanzmittel für die Alzheimerforschung in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Pro Jahr sollen 83 Millionen
Britische Regierung verspricht im Wahlkampf mehr Geld für Alzheimerforschung
22. November 2019
Berlin – Immer mehr Menschen leiden hierzulande an Demenz. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und des Instituts für
Zahl der an Demenz erkrankten Patienten nimmt zu
18. November 2019
Ann Arbor – Fast die Hälfte der Teilnehmer einer Umfrage unter US-Bürgern gab ein erhöhtes subjektives Demenzrisiko an. Doch nur sehr wenige von ihnen fragten ihren Arzt nach präventiven Strategien.
Demenzprävention: Kreuzworträtsel wird ärztlichem Rat vorgezogen
18. November 2019
San Francisco – US-Forscher haben eine mögliche Ursache für die kognitiven Störungen von Menschen mit Down-Syndrom entdeckt, die den Weg für eine Behandlung ebnen könnte. Laut ihrem Bericht in Science
Down-Syndrom: Medikamente schützen im Tiermodell vor Demenz
15. November 2019
New York – Wer als Kind weder lesen noch schreiben lernt, erkrankt im Alter früher an einer Demenz. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-Studie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000008587). New
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER