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Medizin

Antidepressiva: Neue Zahlen zu fetalem Risiko

Freitag, 13. Januar 2012

Stockholm – Nach der Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) in der Schwangerschaft kommt es bei den Neugeborenen gehäuft zu einer persistierenden pulmonalarteriellen Hypertonie . Dies zeigt eine Kohortenstudie aus Skandinavien im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 344: d8012). Das absolute Risiko ist allerdings gering.

Wenn sich nach der Geburt die Lungengefäße nicht entfalten, bleibt der fetale Kreislauf erhalten. Diese persistierende pulmonalarterielle Hypertonie ist eine seltene angeborene Störung. Unter den 1,6 Millionen Kindern der Geburtsjahrgänge 1996 bis 2007 in Skandinavien wurde die Diagnose Persistierender Fetalkreislauf (ICD Code P29.3) oder Primäre pulmonale Hypertonie (ICD Code I27.0) nur 1.899 Mal gestellt, wenn die Mütter keine SSRI eingenommen hatten.

Das ergibt eine Hintergrund-Inzidenz von 1,1 pro 1.000 Geburten. Sie steigt auf 3 pro 1.000 Geburten an, wenn die Mütter während der Spät- oder Frühschwangerschaft mit SSRI behandelt wurden. Helle Kieler vom Zentrum für Pharmaepidemiologie am Karolinska Institut in Stockholm errechnet nach Berücksichtigung anderer möglicher Risikofaktoren (Alter der Mutter, Einnahme von NSAID oder Antidiabetika, Präeklampsie, chronische Erkrankungen während der Schwangerschaft und andere) eine adjustierte Odds Ratio von 2,1, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,5 bis 3,0 ein statistisches Zufallsergebnis weitgehend ausschließt.

Dennoch bleibt das absolute Risiko für die einzelne Schwangere gering. Von den 11.014 Frauen, die SSRI in der Frühschwangerschaft verordnet bekommen hatten, bekamen nur 33 ein Kind mit PPH (0,2 Prozent). Von den 17.053 Müttern, die in der Spätschwangerschaft exponiert waren, erkrankten 32 Neugeborene (weniger als 0,2 Prozent). Mangelgeburten oder Kaiserschnittentbindungen hatten keinen Einfluss auf das Risiko.

Auch wenn das absolute Risiko gering ist, raten die Pharmaepidemiologen doch, das Risiko beim Einsatz von SSRI in der Spätschwangerschaft zu berücksichtigen. Die US-Arzneibehörde FDA hat aufgrund früherer Studien zuletzt im Dezember 2011 auf ein erhöhtes Risiko der Störung hingewiesen. Die Warnungen beruhten auf früheren Fall-Kontroll-Studien, die das Risiko deutlich höher eingeschätzt hatten.

Es gab allerdings auch Studien, die keinen Zusammenhang gefunden hatten. Aufgrund der Zuverlässigkeit skandinavischer Datenbanken dürften die jetzt veröffentlichten Zahlen die derzeit beste Risikoabschätzung ermöglichen. Weitere Bedenken nach der Exposition mit SSRI während der Schwangerschaft betreffen ein neonatales Entzugssyndrom, das sich in einer erhöhten Reizbarkeit, Muskelhypertonie, Schreien und Ernährungsstörungen manifestieren kann.

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© rme/aerzteblatt.de

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