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Medizin

Adipositas: Magenbypass langfristig besser als Magenband?

Dienstag, 17. Januar 2012

Lausanne – Die meisten Adipositas-Chirurgen bevorzugen heute die Anlage eines Magenbands. Die einschneidendere funktionelle Darmverkürzung mit einem Roux-en-Y-Magenbypass hatte in einer Fall-Kontroll-Studie in den Archives of Surgery (2012; doi: 10.1001/archsurg.2011.1708) jedoch die besseren Langzeitergebnisse.

Bei der Roux-en-Y-Operation wird der Magen bis auf einen „Pouch“ verkleinert und mit einer unteren Dünndarmschlinge verbunden. Dies ist die alimentäre Schlinge und der eine Arm des Y. Der andere Arm des Y ist die biliodigestive Schlinge. Das ist der ursprünglich obere Teil des Dünndarms, der Galle und Pankreassekret in den gemeinsamen unteren Anteil des Y leitet. Die Operation wurde bereits 1906 von dem Schweizer Chirurgen Cesar Roux (zur Behandlung von Magenstenosen) entwickelt, einem langjährigen Chefarzt an der Universitätsklinik Lausanne.

Dort hat die Operation auch heute überzeugte Anhänger, auch wenn die Operation heute vor allem im Rahmen der bariatrischen Chirurgie durchgeführt wird. Sebastien Romy vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne berichtet über 221 Patienten, bei denen die Operation vor 2005 durchgeführt wurde, so dass mittlerweile Langzeiterfahrungen über 6 Jahre vorliegen.

Die Schweizer Chirurgen verkleinern den Magen auf einen 10- bis 15 ml kleinen Pouch. Eine kurze biliodigestive Schlinge mündet 100 cm distal vom Magen in die alimentäre Schlinge. Da erst hier die Verdauung beginnt ist dies auch das ungefähre Ausmaß der funktionellen Darmverkürzung.
 

In einer Fall-Kontroll-Studie hat Romy den Patienten mit Roux-en-Y-Bypass die gleiche Zahl von Kontroll-Patienten zugeordnet, bei denen ein Magenband angelegt wurde (LAPBAND von BioEnterics oder SAGB von Ethicon). Insgesamt 92,3 Prozent der Patienten konnten nachbeobachtet werden, eine exzellente Rate.

Die Ergebnisse zeigen, dass die frühe Komplikationsrate nach einem Roux-en-Y-Magenbypass mit 17,2 versus 5,4 Prozent deutlich höher war. Dafür erzielte der Magenbypass aber die größere Gewichtsreduktion. Die Versagerrate (BMI über 35 oder Revision der Operation) betrug nach sechs Jahren nach Magenband 48,3 Prozent gegenüber nur 12,3 Prozent nach Magenbypass.

Auch die langfristige Komplikationsrate war nach Magenband höher. Romy gibt die Rate mit 41,6 Prozent nach Magenband gegenüber 19 Prozent nach Magenbypass an. Typische Komplikationen nach Magenband waren Dilatation des Ösophagus, starker gastroösophagealer Reflux, Nahrungmittelintoleranz sowie Erosionen durch das Magenband. Nach dem Magenband wurden auch häufiger Re-Operationen (26,7 vs. 12,7 Prozent) notwendig. Als weitere Vorteile des Magenbypass zählt Romy bessere Lipid- und Blutzuckerwerte auf.

Dem Kommentator Jacques Himpens vom Saint Pierre University Hospital in Brüssel erscheint die Darstellung doch ein wenig zu rosig. Der Spezialist für laparoskopische Chirurgie glaubt, dass das Ergebnis sehr stark von der Geschicklichkeit des Operateurs abhängt. Die Chirurgen in Lausanne sind offenbar Spezialisten für die Roux-en-Y-Operation (wobei man berücksichtigen muss, dass die ersten Operationen der Lernkurve von der Auswertung ausgenommen wurden).

Laut Himpens gebe es aber ausgesprochene „Magenband“-Champions, die ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielen. Ein sauber angelegtes Magenband sei besser als ein suboptimales Ergebnis eines Magenbypasses, findet Himpens. Für ihn ist auch der Einfluss des Roux-en-Y-Magenbypass auf den gastrointestinalen Hormonhaushalt ungeklärt. Zu den freigesetzten Hormonen gehören Incretine, die eine diabetespräventive Wirkung haben. Nach Roux-en-Y-Magenbypass sei es zur Entwicklung von Neuroglykopenien oder Diabetesrezidiven gekommen, schreibt Himpens.

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© rme/aerzteblatt.de

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