NewsPolitikErsatzkassen: Mit schwarzen Zahlen ins „Jahr der Umsetzung“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ersatzkassen: Mit schwarzen Zahlen ins „Jahr der Umsetzung“

Dienstag, 24. Januar 2012

Berlin – Der Verband der Ersatzkassen (vdek) erwartet für 2012 viele wichtige Weichenstellungen. Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des vdek, betonte, dass mit der Verabschiedung des Versorgungsstrukturgesetzes Ende 2011 die Diskussion um Bedarf und Qualität der ärztlichen Versorgung nicht beendet sein werde. Auf die gemeinsame Selbstverwaltung von Ärzten und Krankenkassen käme nun die Umsetzung zu, bei der es unter anderem gelte, das ärztliche Überangebot in den Städten abzubauen.

Generell hält der Verband das Versorgungsstrukturgesetz zwar für geeignet, die ärztliche Versorgung an die demografischen Herausforderungen anzupassen, besonders in strukturschwachen Regionen. Gleichzeitig fehle es jedoch an Maßnahmen, um der „zum Teil erheblichen Überversorgung“ gegensteuern zu können.

„Die Möglichkeiten zum Praxisaufkauf oder zur Befristung von Zulassungen reichen nicht aus, um das ärztliche Überangebot in den Städten abzubauen“, sagte Ballast. Trotz guter Ansätze drohe die Gefahr, dass es zu einer weiteren Ausdehnung der ärztlichen Überversorgung in den Ballungsgebieten komme, wenn über neue Bedarfsplanungszahlen und Abweichen von der Bedarfsplanungsrichtlinie zusätzliche Arztsitze geschaffen würden. Dies sei ein „Webfehler“ des Gesetzes, erklärte Ballast.

Anzeige

Zuspruch im Kern findet auch das geplante Patientenrechtegesetz beim vdek. Im Rahmen einer begleitenden Öffentlichkeitsarbeit müssten Patienten jedoch umfassend und in verständlicher Weise über ihre Rechte informiert werden, betonte Christian Zahn, Verbandsvorsitzender des vdek. Enttäuschend sei zudem, dass der Gesetzentwurf keinerlei Regelungen zu „den ausufernden Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL)“ gebe. Zahn forderte eine Begrenzung des Angebots von IGeL zum Schutz des Patienten vor medizinischen fragwürdigen Leistungen sowie eine hinreichende Bedenkzeit, bevor sich dieser für IGeL-Leistungen entscheidet.

Hinsichtlich der für 2012 geplanten Pflegereform wünscht sich Zahn eine schnellere Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. „Die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen warten darauf, dass bei der Begutachtung nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch kognitive oder psychische Verhaltensauffälligkeiten stärker erfasst werden“, erklärte er.

Dass dies mit Mehrkosten verbunden ist, sei klar. Dennoch dürfe dieses Thema nicht auf die lange Bank geschoben werden. Auch die verbesserten Leistungen für Demenzkranke sollten nach Ansicht der Ersatzkassen nicht erst 2013, sondern schon Mitte des Jahres 2012 realisiert werden.

Finanziell stehen die Ersatzkassen sehr gut da. Im Jahr 2011 konnten sie ihre Marktführerschaft weiter ausbauen: Durch die Fusionen der DAK mit der BKK Gesundheit und der BKK Axel Springer ist die Zahl der Mitglieder um rund eine Million Mitglieder auf mehr als 19 Millionen angewachsen. Dies entspricht einem Marktanteil von 37,2 Prozent (AOK 35,1 Prozent, BKK 16,2 Prozent und IKK 7,7 Prozent). Aus schwarzen Zahlen könnten jedoch schnell rote Zahlen werden, warnte Ballast. Zusatzbeiträge werde es jedoch 2012 nicht geben. „Da 2012 nunmehr alle Kassen auf die Erhebung eines Zusatzbeitrages verzichten wollen, sollte die Politik die Chance ergreifen, sich von diesem Finanzierungsexperiment endgültig zu verabschieden", forderte Ballast. © ER/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. Dezember 2019
Berlin – Leistungen und der Service von Krankenkassen sollten aus Sicht der Grünen für gesetzlich Krankenversicherte leichter zu vergleichen sein. Aktuell finde der Wettbewerb zwischen den
Grüne wollen leichtere Vergleichbarkeit von Kassenleistungen
11. Dezember 2019
Berlin – Ab dem ersten Quartal kommenden Jahres sollen auch Beamte in Berlin eine sogenannte pauschale Beihilfe in Anspruch nehmen können. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat der Senat gestern auf
Berlin will Beamten Zugang zur gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung erleichtern
10. Dezember 2019
Berlin – In der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ist die Beitragsbelastung der Versicherten pro Kopf in den vergangenen zehn Jahren stärker gestiegen als in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung
PKV-Institut: Beitragsbelastung in GKV stärker gestiegen als in PKV
19. November 2019
Berlin – Ab dem kommenden Jahr wird das „GKV-Bündnis für Gesundheit“ Forschungsvorhaben zur Gesund­heits­förder­ung und Prävention in Lebenswelten fördern. Zunächst soll es dabei um das Thema
Krankenkassen unterstützen Präventionsforschung
18. November 2019
Celle – Selbst bei starker Beinbehaarung muss eine Krankenkasse nicht die Kosten für eine Laserenthaarung bezahlen. Auch bei Jugendlichen bestehe kein Anspruch auf eine Kostenübernahme. Das entschied
Laser-Epilation bei stark behaarten Beinen keine Kassenleistung
4. Oktober 2019
Gütersloh/Berlin – Für eine Neugestaltung der Finanzierung von gesetzlich und privat Versicherten plädiert die Bertelsmann-Stiftung im Rahmen einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie. Autoren der
Neuer Vorstoß zum Angleich der Honorarsysteme für gesetzlich und privat Versicherte
2. Oktober 2019
Berlin – Neuer Name und wesentlicher Inhalt gestrichen: Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat eine veränderte Version des Faire-Kassenwahl-Gesetzes (FKG) vorgelegt, das künftig
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER