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Ärzteschaft

KBV will Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie verbessern

Donnerstag, 26. Januar 2012

Berlin – Einen verständlichen Medikationsplan für die Patienten und Module für die Praxissoftware, die Ärztinnen und Ärzte bei der Verordnung unterstützen, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gefordert, um die Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie zu verbessern. „Das steht für uns mit Abstand an erster Stelle“, sagte KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller gestern in Berlin.

Die KBV hatte Experten, Ärzte und Patientenvertreter geladen, um über Wege zu diskutieren, wie die Arzneimitteltherapie sicherer werden kann. Bei der Gelegenheit stellte die KBV auch eine Broschüre vor, mit der sie die Teams in den Arztpraxen für das Thema sensibilisieren will. „Wir müssen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten eine Sicherheitskultur aufbauen“, erklärte Müller.

Einer der größten Risikofaktoren für unerwünschte Arzneimittelwirkungen ist dem KBV-Vorstand zufolge die Polypharmazie. Die Probleme, die dabei entstehen können, haben Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt am Main untersucht: mangelnde Übersicht, erhöhtes Risiko durch Kontraindikationen und Wechselwirkungen, potenziell ungeeignete Medikamente insbesondere für ältere Patienten und Dosierungsprobleme. Dadurch könne es zu unterwünschten Arzneimittelereignissen kommen, die immerhin für fünf Prozent aller Krankenhausaufnahmen verantwortlich seien.

„Mit der Zahl der Medikamente nimmt aber auch die Compliance der Patienten ab – ein weiterer Risikofaktor für die Arznei­mittel­therapie­sicherheit“, betonte Müller. Durch fehlende Therapietreue der Patienten würden Schätzungen zufolge 50 Prozent der verschriebenen Arzneimittel nicht oder falsch eingenommen.

Jährlich würden 626 Millionen Verordnungen allein für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen ausgestellt, erklärte der Direktor des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Ferdinand Gerlach. Eine Analyse mehrerer Einzelstudien komme zu dem Schluss, dass es rein theoretisch in einer größeren Vertragsarztpraxis mit rund 1.000 Patienten im Jahr zu 180 unerwünschten Arzneimittelwirkungen komme, von denen 40 Fälle vermeidbar wären. „Sicherheit und eine optimale Anwendung von Arzneimitteln haben also eine große Bedeutung“, sagte Gerlach.

Eigene Studien am Frankfurter Institut belegten zudem, dass bei 94 Prozent der Patienten die tatsächlich eingenommene Medikation von dem abwich, was der Hausarzt aufgrund seiner Dokumentation erwartete. Bei 15 Prozent der Patienten seien Kontraindikationen, bei 25 Prozent mögliche Wechselwirkungen nicht berücksichtigt worden, und 15 Prozent der älteren Patienten hätten eine für sie ungeeignete Medikation erhalten.

„Arznei­mittel­therapie­sicherheit bezieht sich auf den gesamten Medikationsprozess“, so Gerlach. „Von der Verordnung über die Abgabe bis hin zur Anwendung und Überwachung.“ Dieser Systematik folge auch die Broschüre zur Arznei­mittel­therapie­sicherheit, an der Wissenschaftler des Frankfurter Instituts mitgearbeitet haben. Sie identifiziere unter anderem anhand echter Fallbeispiele typische Fehlerquellen und enthalte Checklisten beispielsweise für die Verordnung von Medikamenten bei älteren Menschen.

Die Broschüre „Mehr Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie“ kann unentgeltlich per E-Mail an versand@kbv.de bestellt werden. © HK/aerzteblatt.de

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