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Medizin

Hypertonie: Blutdruckdifferenz an beiden Armen steigert Sterblichkeit

Montag, 30. Januar 2012

dapd

Exeter – Blutdruckdifferenzen zwischen beiden Armen sind ein wichtiger Hinweis auf das Vorliegen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Eine Differenz von 15 mm Hg war in einer Meta-Analyse im Lancet (2012: doi: 10.1016/S0140-6736(11)61710-8) auch mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Die Autoren fordern deshalb die routinemäßige Bestimmung des Blutdrucks an beiden Armen. Der britische Kardiologenverband ist davon nicht überzeugt.

Blutdruckunterschiede zwischen beiden Armen sind keinesfalls selten. In einer früheren Meta-Analyse (Journal of Human Hypertension 2006; 20: 923-31) hatten Christopher Clark vom Peninsula College of Medicine and Dentistry in Exeter in England und Mitarbeiter herausgefunden, dass der systolische Blutdruck zwischen rechtem und linkem Oberarm bei 19,6 Prozent der Bevölkerung 10 mm Hg oder mehr differiert (kleinere Unterschiede gelten als irrelevant).

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Bei 4,3 Prozent wurde sogar ein Unterschied des systolischen Blutdrucks um mehr als 20 mm Hg gefunden (beim diastolischen Wert bei 8,1 Prozent der Untersuchten). Größere Blutdruckdifferenzen sind ein Hinweis auf eine signifikante Atherosklerose im Verlauf der proximalen Gefäße (vor allem der Art. subclavia) und – da diese selten isoliert auftritt – auch ein Hinweis auf eine allgemeine pAVK.

In der neuen Meta-Analyse setzen die Autoren die Blutdruckunterschiede mit verschiedenen kardiovaskulären Ereignissen in Verbindung. Mit deutlichen Ergebnissen: Eine Seitendifferenz von 15 mm Hg oder mehr ging mit einem Anstieg des relativen Risikos auf eine pAVK um den Faktor 2,5 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,6–3,8) einher.

Sie zeigte zudem ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko auf eine bestehende zerebrovaskuläre Erkrankung an (relatives Risiko 1,6; 1,1-2,4). In Kohortenstudien war das Risiko auf einen kardiovaskulären Tod um 70 Prozent gesteigert (Hazard Ratio HR 1,7; 1,1-2,5) und auch die Gesamtsterblichkeit war um 60 Prozent erhöht (HR 1,6; 1,1-2,3).

Für Clark zeigen die Zahlen, dass eine routinemäßige Bestimmung des Blutdrucks an beiden Armen ein wichtiges Instrument in der Diagnose der pAVK ist. Nach Ansicht der Kommentatoren Richard McManus, Universität Oxford, und Jonathan Mant, Universität Cambridge, zeigen die Ergebnisse aber auch, dass die Bestimmung des Blutdrucks an beiden Armen kein geeignetes Screening-Instrument für die pAVK ist.

Eine große Blutdruckdifferenz liefere bei einer Spezifität von 96 Prozent in der Meta-Analyse einen sicheren Hinweis auf die Erkrankung. Bei einer Sensitivität von 15 Prozent werde durch diese Untersuchung jedoch nur ein kleiner Teil der Erkrankungen entdeckt.

Besser geeignet sei vermutlich die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index. Sie wird auch von den Leitlinien in Deutschland empfohlen. In der Praxis wird sie jedoch nicht häufig eingesetzt, da sie umständlich ist. Die beidseitige Bestimmung des Armblutdrucks würde auf eine größere Akzeptanz stoßen, argumentiert Clark.

Die British Heart Foundation reagierte zurückhaltend auf seinen Vorschlag, die beidseitige Blutdruckmessung zum Standard zu machen. Sie forderte zunächst weitere Studien. Es fehle der Beleg, dass eine aufgrund der beidarmigen Blutdruckdifferenz veranlassten Therapie, etwa eine Statinbehandlung, tatsächlich die Prognose der Patienten verbessert.

Es dürfte deshalb bei den jetzigen Empfehlungen der Leitlinien bleiben. Sie sehen zur Diagnose der arteriellen Hypertonie die Bestimmung des Blutdrucks am Oberarm vor, wobei die abwechselnde Messung am rechten und linken Arm vermeiden kann, dass Erkrankungen übersehen werden. Die maßgebliche Untersuchung zur Diagnose der pAVK ist die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index, die nicht-invasiv möglich ist.

© rme/aerzteblatt.de

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