NewsMedizin„Pille danach“ verkleinert Uterusmyome
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

„Pille danach“ verkleinert Uterusmyome

Donnerstag, 2. Februar 2012

Leuven – Der Progesteronrezeptormodulator Ulipristal, der auch als Notfallkontrazeptivum wirkt, hat in zwei Studien im New England Journal of Medicine (2012; 366: 409-420 und 421-432) die Blutungen bei Patientinnen mit Uterusmyomen deutlich vermindert. Nach einer positiven Einschätzung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMO) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ist mit einer baldigen Einführung zu rechnen – allerdings nur zur präoperativen Therapie.

Uterusmyome sind die häufigste Indikation für eine Hysterektomie oder eine Uterusarterienembolisation. Eine medikamentöse Alternative besteht derzeit kaum. Die einzige zugelassene Therapie besteht in der Gabe des GnRH-Agonisten Leuprorelin (auch Leuprolid genannt), der durch die Induktion einer Amenorrhö die Myome verkleinert und die uterinen Blutungen stoppen kann, unter der viele Frauen mit Uterusmyomen leiden. Leuprorelin wird jedoch von vielen Patientinnen nicht vertragen. Außerdem kann es zu einem Rückgang der Knochenmasse kommen. Deshalb verbietet sich ein langfristiger Einsatz. Die Zulassung ist auf eine präoperative Volumenreduktion beschränkt.

In dieser Indikation bekommt das Medikament demnächst Konkurrenz. Der Schweizer Hersteller PregLem wird in Kürze ein Präparat (Esmya) mit dem Wirkstoff Ulipristal einführen. Es handelt sich um einen Progesteronrezeptormodulator, der wie das Schwangerschaftshormon wirkt. Dass Ulipristal in der Lage ist, präoperativ Myome zu verkleinern, hat der Hersteller in zwei randomisierten Studien belegen können.

Anzeige

In der PEARL-1-Studie konnte die Gruppe um Jacques Donnez von der Katholischen Universität in Leuven in Belgien zeigen, dass eine 13-wöchige Therapie mit Ulipristal die Uterusmyome (in der von der EMA genehmigten Dosis von 5 mg/die) um 12 Prozent verkleinert, während es im Placebo-Arm zu einem Wachstum um 3 Prozent kam. Uterine Blutungen wurden zu 91 Prozent kontrolliert (Placebo: 19 Prozent). Erwartungsgemäß kam es bei 73 Prozent der Teilnehmerinnen zu einer Amenorrhö (6 Prozent unter Placebo).

In der PEARL-II-Studie wurde Ulipristal an 307 Patientinnen mit symptomatischen Uterusmyomen und exzessiven uterinen Blutungen mit Leuprolid verglichen. Die Kontrolle der Blutungen war bei beiden Wirkstoffen gleich gut, doch die klimakterischen Beschwerden (mittelschwere bis schwere Hitzewallungen) traten unter Ulipristal deutlich seltener auf (11 Prozent unter der Dosierung von 5 mg/die versus 40 Prozent unter Leuprorelin).

In beiden Studien schloss sich an die Behandlung eine Operation an, und die Zulassung von Esmya wird deshalb auf die präoperative Volumenreduktion beschränkt bleiben. In den Studien ließen sich am Ende aber nicht alle Patientinnen operieren.

Die später bei den nicht operierten Frauen durchgeführten Biopsien ergaben, dass sich die endometrialen Veränderungen, die laut Donnez ausschließlich gutartiger Natur waren, nach 6 Monaten zurückgebildet hatten. Nach Ansicht der Editorialistin Elizabeth Stewart von der Mayo Clinic in Rochester sind jedoch noch weitere Langzeituntersuchungen notwendig, bevor den betroffenen Patientinnen eine intermittierende Therapie vorgeschlagen werden kann. Die Zulassung wird die Dauer der Anwendung auf 3 Monate beschränken.

Der Hersteller PregLem ist eine Tochter von Gedeon-Richter. Dieser größte ungarische Pharmakonzern kooperiert mit HRA Pharma. Sie bietet Ulipristal bereits als Notfallkontrazeptivum (ellaOne) an.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER