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Medizin

Individualisierte Pharmako­therapie: Gentest könnte Arzneimittel­sicherheit von Warfarin erhöhen

Montag, 6. Februar 2012

Berlin – Die klinische Relevanz von Biomarkern als Komponenten einer „individualisierten Pharmakotherapie“ wird in Fach- und Publikumsmedien teilweise zu positiv dargestellt: Häufig sei eine medizinisch und pharmakoökonomisch sinnvolle Anwendung diagnostischer, prognostischer oder prädiktiver Biomarker nicht durch prospektive Studien belegt, was auf der anderen Seite auch ungenutztes Potenzial für individualisierte Therapieentscheidungen bedeute.

Das war der Tenor bei einem Symposium der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) im Rahmen des 36. Interdisziplinären Forums der Bundesärztekammer in Berlin. Auch gebe es zu wenig unabhängige, evidenzbasierte Patienteninformation, um die Therapieadhärenz zu erhöhen und damit die Arzneimittelsicherheit zu verbessern.

So sei einer internationalen Metaanalyse zu Folge etwa ein Drittel der vermeidbaren, arzneimittelassoziierten Krankenhauseinweisungen durch mangelnde Compliance verursacht, ein weiteres Drittel durch Verordnungsprobleme und etwa 20 Prozent durch Mängel beim Monitoring, berichtete Petra Thürmann vom Helios-Klinikum Wuppertal. Andererseits ließen sich bei einigen Medikamenten durch Tests auf genetische Polymorphismen von Stoffwechselenzymen, von Arzneimitteltransportern oder Zielstukturen für Substanzen Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln erhöhen.

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So stünden bei knapp 30 Prozent der Patienten, deren Daten beim Netzwerk der nationalen Pharmakovigilanzzentren eingingen, die unerwünschten Arzneimittelwirkungen im Zusammenhang mit nur drei Arzneimittelsubstraten des Cytochrom-P 450-Systems: CYP2C9, -2C19 und -2D6.

Zu diesen Medikamenten gehören Gerinnungshemmer wie Warfarin. Eine aussagekräftige, genomweite Assoziationsstudie aus Schweden bestätige frühere Befunde, dass Polymorphismen in CYP2C9-Gen und im Gen für die Vitamin-K-Epoxid-Reduktase (VKORC1), der Zielstruktur von Vitamin-K-Antagonisten, die Sensitivität für Warfarin mitbestimmt und damit für die hohe interindividuelle Dosisvarianz (bis 50 Prozent) verantwortlich sind (PloSGenetics 2009; 5: e1000433). Risiken sind Überdosierungen, die Blutungen auslösen können, oder Unterdosierungen mit mangelnder Wirksamkeit.

Derzeit wird die Dosis mit Hilfe der Prothrombinzeit individuell angepasst. Die US-amerikanische Zulasssungsbehörde FDA weise bereits auf die Möglichkeit hin, für die Initialdosis einen Gentest zu Hilfe zu nehmen, berichtete der Pharmakologe Ingolf Cascorbi (Campus Kiel). Auch Thürmann sagte, zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit von Warfarin könne ein pharmakogenetischer Test sinnvoll sein. Auch in der Fachinformation für den Thrombozytenaggregationshemmer Clopidogrel, der teilweise über CYPP2C19 metabolisiert wird, gebe es inzwischen einen Hinweis darauf, dass ein Test auf den CYP2C19-Genotyp möglich sei. Mit Hilfe des Tests lasse sich zwischen langsamen und schnellen Metabolisierern unterscheiden.

„Eine maßgeschneiderte Therapie wird es für die Mehrzahl der Patienten jedoch in den nächsten Jahren nicht geben. Wohl aber Therapiestrategien, zum Beispiel in der Behandlung von fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, die anhand der genetischen Merkmale von Tumorzellen wichtige Informationen für die Therapieplanung ergeben und dadurch hoffentlich auch die Prognose der Patienten verbessern“, so AkdÄ-Vorsitzender Wolf-Dieter Ludwig, der auch Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie des Helios Klinikums Berlin-Buch ist. Zudem könne dieser Forschungsbereich eine wichtige Rolle bei der gezielten Behandlung von bestimmten Tumorsubtypen spielen. © nsi/aerzteblatt.de

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