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Medizin

US-Leitlinie: Das Economy-Class-Syn­drom gibt es nicht

Dienstag, 7. Februar 2012

Northbrook – Das American College of Chest Physicians (ACCP) spricht sich in seinen überarbeiteten Leitlinien gegen einen allzu unkritischen routinemäßigen Einsatz von Antikoagulanzien zur Prävention und Therapie von Thrombosen aus – und gibt auf 986 Seiten Text insgesamt 600 einzelne Empfehlungen heraus.

Es gebe derzeit den Trend, bei allen Klinikpatienten eine Prophylaxe der tiefen Venenthrombose (DVT) durchzuführen, auch wenn dies nicht immer notwendig sei, beklagt Gordon Guyatt von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario, der den Vorsitz des Leitliniengremiums hatte. Die Entscheidung sollte jedoch immer im Einzelfall gestellt werden, nachdem Notwendigkeit und Blutungsrisiko gegeneinander abgewogen wurden.

Um den Ärzten bei dieser Arbeit zu helfen, hat das ACCP Empfehlungen zu vielen klinischen Gebieten herausgegeben, in denen sich die Frage einer Prävention stellt, von nicht-chirurgischen Patienten über nicht-orthopädische chirurgische Patienten bis zu den orthopädischen chirurgischen Patienten, bei denen die Prävention am besten untersucht und wohl auch am häufigsten indiziert ist. Aber auch bei Schwangerschaft, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Vorhofflimmern, Schlaganfällen und bei Neugeborenen kann eine Antikoagulation sinnvoll sein. Die ACCP gibt hierzu eine Reihe von Empfehlungen heraus.

Auch zum Thromboserisiko auf Langzeitflügen äußern sich die Autoren. Die Gefahr wird insgesamt als sehr gering eingestuft. Einige Personen hätten jedoch ein erhöhtes Risiko. Dazu zählen Patienten mit früherer Thrombose oder mit bekannten thrombophilen Erkrankungen, Krebspatienten sowie Menschen, die sich kurz nach einer Operation oder einem Trauma auf Reisen begeben.

Eine Immobilität ist ein Risiko ebenso wie die Behandlung mit Östrogenen oder eine Schwangerschaft. Ein prinzipiell in der Economy-Class erhöhtes Risiko sehen die ACCP-Experten dagegen nicht. Eine Gefährdung gebe es in allen Klassen bei den Fenstersitzen. Dehydration oder Alkoholkonsum sind dagegen keine etablierten Risikofaktoren.

Einige vorbeugende Maßnahmen können jedoch nicht schaden. Die Leitlinien empfehlen häufiger im Gang zu gehen, die Wadenmuskeln zwischendurch anzuspannen und sich einen Platz am Gang geben zu lassen. Kompressionsstrümpfe für den Unterschenkel werden ebenfalls als hilfreich angesehen.

Geändert hat sich die Einstellung des ACCP zu den Möglichkeiten von Acetylsalicylsäure. In der letzten Leitlinie hatten sich die Autoren generell gegen den Einsatz des Thrombozytenaggregationshemmers zur Prophylaxe der DVT bei chirurgischen Patienten ausgesprochen. Auch jetzt wird ASS nicht als eine optimale Wahl betrachtet, in einigen Situationen sei sie jedoch eine akzeptable Option, heißt es in der Pressemitteilung, ohne hierfür Beispiele zu nennen. Einzelheiten bleibt den Leitlinien überlassen, die sich allein in der Zusammenfassung auf über 42 Seiten erstrecken. © rme/aerzteblatt.de

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