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Politik

Bundesregierung will Antibiotikavergabe an Tiere stärker überwachen

Mittwoch, 8. Februar 2012

dapd

Berlin – Zur Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung will die Bundesre­gierung auffällige Betriebe stärker überwachen. Die Befugnisse der zuständigen Länderbehörden sollten weiter ausgebaut werden, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium heute mit. Einer Stichprobe zufolge könnte auch ein großer Teil des in Deutschland verkauften Schweinefleischs mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet sein.

Unter anderem sollten Betriebe, die auffällig viele Arzneimittel einsetzten, zur Vorlage und zur Umsetzung eines „individuellen Minimierungskonzepts“ verpflichtet werden können, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. „Wir müssen die Haltungsbedingungen für Nutztiere verbessern, um den Krankheitsdruck und die Ansteckungsrisiken für die Tiere zu verringern“, erklärte Ministerin Ilse Aigner (CSU). Die Ursachen für übermäßigen Antibiotikaeinsatz lägen „häufig in grundlegenden Hygieneproblemen oder Managementfehlern“.

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Zur Ausarbeitung von Grundlagen für die sogenannten Minimierungskonzepte wolle das Ministerium „in Kürze die Länder an einen Tisch holen“, teilte das Ministerium mit. „Damit Auffälligkeiten bei der Anwendung von Antibiotika schneller erkannt und Vergleichsmaßstäbe rechtssicher etabliert werden können, müssen die Behörden einen schnellen Zugriff auf die Arzneimittel-Dokumentationen in den Betrieben haben“, hieß es. Dieser Zugriff solle in Absprache mit den Ländern „bürokratiearm, effektiv und rechtssicher“ sein.

Das Magazin Stern berichtete indes aus seiner neuen Ausgabe, bei einer bundesweiten Stichprobe habe ein Fachlabor auf fünf von 20 Proben mit abgepacktem Schweinefleisch aus Frischetheken „mutierte Darmbakterien der Art Escherichia coli“ nachgewiesen. Die Bakterien produzieren demnach das Enzym ESBL, das verschiedene Antibiotika unwirksam mache. Die Darmbakterien fielen „bei den üblichen Hygieneuntersuchungen von Lebensmitteln durchs Raster“, weil nicht nach ihnen gesucht werde, berichtete die Zeitschrift.

Die Zahl der Infektionen von Menschen mit den Bakterien habe jedoch in den vergangenen fünf Jahren „stark zugenommen“. Es gebe viele Hinweise darauf, dass ein massenhafter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg sei, sagte Elisabeth Meyer, Fachärztin für Hygiene am Berliner Universitätsklinikum Charité, dem Stern.

Mitte November hatte in Deutschland eine Studie für Aufsehen gesorgt, nach der fast alle Hähnchen aus deutschen Mastbetrieben Antibiotika als Wachstums- oder Gesundheitsdoping erhalten. Der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums sagte heute, die nun getätigte Stichprobe beim Schweinefleisch sei „sehr bedingt aussagekräftig“. Das Ministerium stelle sich aber dem Problem. © afp/aerzteblatt.de

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