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Medizin

Koronare Herzkrankheit bei Männern über Y-Chromosom erblich

Donnerstag, 9. Februar 2012

NHGRI

Leicester – Das erhöhte Herzinfarktrisiko von Männern wird teilweise vom Vater auf den Sohn vererbt. Laut einer Studie im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(11)61453-0) erhöht eine häufige Variante des Y-Chromosoms das Risiko auf eine koronare Herzkrankheit deutlich.

Männer erkranken 10 bis 15 Jahre früher als Frauen an einer koronaren Herzkrankheit. Der Grund ist nicht allein auf eine ungesündere Lebensweise mit mehr Genussmitteln, Stress und Müßigang zurückzuführen. Es gibt auch eine starke genetische Komponente, die die Gruppe um Maciej Tomaszewski von der Universität Leicester jetzt auf einen häufigen Haplotyp des Y-Chromosoms zurückführt.

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Ein Haplotyp ist im Zeitalter der Genomanalyse eine reichlich grobe und willkürliche Einteilung der Chromosomen. Bei Tomaszewski liegt ihr die Bestimmung von 11 Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) auf dem Y-Chromosom zugrunde. Sie erlaubte die Abgrenzung eines Haplotyps, der bei 15 bis 20 Prozent der männlichen Briten vorliegt.

Diese erkranken der Studie zufolge zu 56 Prozent häufiger an einer koronaren Herzkrankheit (Odds Ratio 1,56; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,24–1,97). Die Assoziation wurde in der British Heart Foundation Family Heart Study, der West of Scotland Coronary Prevention Study und der Cardiogenics Study gefunden, den drei großen Kohortenstudien, die im Vereinigten Königreich zum Herzinfarktrisiko durchgeführt wurden. Dank der sorgfältig erhobenen Daten konnte Tomaszewski ausschließen, dass traditionelle Risikofaktoren wie Alter, Body-Mass-Index, Blutdruck, Blutfette, Diabetes, Rauchen, Alkohol, sozioökonomischer Status oder C-reaktives Protein die Unterschiede erklären.

Tomaszewski geht davon aus, dass Männer eine echte genetische Veranlagung haben, die sie von ihrem Vater erben. Er konnte allerdings nicht klären, welche Gene auf dem Y-Chromosom dafür verantwortlich sind.

Seine molekularbiolgischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Reaktionsweise des Immunsystems von Bedeutung sein könnte. Hier gab es mehrere Abweichungen. Die Erkenntnisse stützen die heute verbreitete Annahme, dass Entzündungsreaktionen in der Gefäßwand die Ursache der Atherosklerose sind. © rme/aerzteblatt.de

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