Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Frühgeburt: Kaiserschnitt nicht die ideale Entbindung

Montag, 13. Februar 2012

Baltimore – Die verbreitete Ansicht, dass eine Sectio caesariae bei einer Früh-und Mangelgeburt die sicherste Form der Entbindung ist, konnte in einer Kohortenstudie nicht bestätigt werden. Nach den auf der Jahrestagung der Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM) in Dallas vorgestellten Daten leiden Frühgeborene nach Kaiserschnitt sogar häufiger unter Komplikationen der Atmung, und der Apgar-Wert ist tendenziell niedriger.

Die Hälfte aller Frühgeburten erfolgt in den USA heute per Kaiserschnitt. Eine frühere Studie der Stiftung March of Dimes, die sich für die vaginale Entbindung einsetzt, hat gezeigt, dass der Anstieg der Frühgeburten in den letzten Jahren fast allein auf Kaiserschnittentbindungen zurückzuführen ist. Erika Werner von der Johns Hopkins University in Baltimore hat jetzt die Entlassungsdiagnosen von 2.560 Neugeborenen ausgewertet, die in den Jahren 1995 bis 2003 zwischen der 25. und 34. Woche entbunden wurden und für ihr Gestationsalter zu klein waren (small for gestational age, SGA).

Der Anteil der Kaiserschnitte lag bei 54 Prozent. Nur noch 46 Prozent wurden vaginal entbunden. Die Rate von schweren Geburtskomplikationen wie intraventrikulären oder subduralen Hirnblutungen, Krampfanfällen oder Sepsis war in beiden Gruppen gleich.

Ein Atemnotsyndrom (Acute Respiratory Distress Syndrome, ARDS) wurde nach Kaiserschnitt sogar zu 30 Prozent häufiger diagnostiziert. Dieses Risiko hielt auch einer Multivariat-Analyse stand, in der andere potenzielle Ursachen für ein ARDS einflossen wie Alter der Mutter, ethnische Herkunft, Erziehung, Versichertenstatus, Gewicht vor der Schwangerschaft, Gestationsalter, Diabetes und arterielle Hypertonie.

Auch der Anteil der Kinder mit einem Apgar von unter 7 war unter den Schnittentbindungen um 40 Prozent höher. Dieses Risiko war nach einer Multivariat-Analyse jedoch nicht mehr signifikant.

Eine retrospektive Untersuchung kann ein erhöhtes Risiko nicht beweisen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Gynäkologen sich in schwierigeren Fällen eher zu einer Sectio caesariae entschließen, ohne dass sich dies in den in Eigenschaften der Mütter oder in den Entlassungsdiagnosen abbildet. Die erhöhte Rate von ARDS passt aber zu den Befürchtungen, wonach die Enge des Geburtskanals hilft, bei der vaginalen Entbindung die Atemwege „freizupressen“, was die ersten Atemzüge des Kindes erleichtern soll. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

05.05.17
Buprenorphin lindert Neonatales Abstinenz-Syndrom schneller
Philadelphia – Das stark wirksame Opioid Buprenorphin, das seit den 1990er Jahren zur Substitutionsbehandlung von Drogenabhängigen eingesetzt wird, hat in einer Doppelblindstudie im New England......
24.04.17
Fetogenese: Früh geborene Lämmer reifen in künstlicher Fruchtblase heran
Philadelphia – Extrem früh geborene Lämmer können in einer künstlichen Fruchtblase (Biobag) und mit einer künstlichen Plazenta heranwachsen. Die Tiere entwickelten sich über gut einen Monat......
21.04.17
Hannover – In Niedersachsen und Bremen sind im vergangenen Jahr deutlich weniger Babys per Kaiserschnitt geboren worden als 2015. Das geht aus den Versichertendaten der KKH Kaufmännische Krankenkasse......
13.04.17
Tübingen – An der Tübinger Uniklinik üben Ärzte künftig die Behandlung von Frühgeborenen an einem Modell-Baby. „Beim Äußeren handelt es sich um eine realistisch kolorierte Silikon-Haut mit......
11.04.17
Passau/München – Frauen mit Problemen in der Schwangerschaft und Eltern mit kranken Neu- und Frühgeborenen können in Passau jetzt ein neues Beratungs- und Unterstützungskonzept namens „PAula“ nutzen.......
05.04.17
Paris – Die vorbeugende Behandlung mit einem niedrig dosierten Steroid, die zur Prävention der bronchopulmonalen Dysplasie diskutiert wird, hat sich in einer Studie aus Frankreich als sicher erwiesen.......
31.03.17
Bronchopulmonale Dysplasie: DHA kann Lungenschädigung bei Frühgeborenen nicht verhindern
Adelaide – Der Versuch, Frühgeborene durch enterale Gabe von Docosahexaensäure (DHA) vor einer bronchopulmonalen Dysplasie zu schützen, ist in einer randomisierten klinischen Studie gescheitert. Die......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige