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Alte Menschen nicht technikfeindlich

Freitag, 17. Februar 2012

dapd

Köln – Technische Systeme werden bei der medizinischen und pflegerischen Betreuung von alten Menschen immer wichtiger. Sie helfen den Betroffenen, länger selbstbestimmt in ihrem gewohnten Alltag zu leben. Gleichzeitig entlasten sie die Familie und das Gesundheitssystem. Besonders wichtig: Alte Menschen kommen entgegen vielen Vorurteilen mit der Technik sehr gut zurecht – sie muss nur gut sein. Das betonten Experten aus Medizin und Ingenieur­wissen­schaften auf einem Symposium der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) in Köln.

„Wir werden schon bald nicht mehr genügend Pflegekräfte haben, um unsere immer älter werdende Bevölkerung zu betreuen“, sagte der Organisator des Symposiums, Ralf-Joachim Schulz, Lehrstuhl für Geriatrie der Uniklinik Köln und kommender Präsident der DGG. Er bezog sich damit auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen bereits 2025 etwa 152.000 Pflegerinnen und Pfleger in Deutschland fehlen werden. Der Personalmangel gelte für den ambulanten Bereich, zum Beispiel für ambulante Pflegedienste, aber auch für Krankenhäuser, die schon heute häufig an ihre Kapazitätsgrenzen stießen.

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Ursache dafür ist einerseits das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland, denn immer mehr alte Menschen brauchen immer mehr Betreuung. Aber auch gesellschaftliche Veränderungen spielen eine wichtige Rolle, zum Beispiel der Trend zu Single-Haushalten, auch und gerade bei Älteren. „Schon jetzt leben 43 Prozent der Frauen über 65 Jahren in solchen Single-Haushalten“, sagte Michael Meyer von Siemens Deutschland Healthcare auf dem Symposium.

Viele Betreuungsaufgaben, die früher die Familie übernommen habe, müsse daher heute das Gesundheitswesen abdecken. Intelligente Assistenzsysteme für ältere Menschen könnten ihnen dabei helfen, möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben. Gleichzeitig sei aber wichtig, auch die Kliniken, Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste mit Hilfsmitteln auszustatten, die ihnen die Arbeit vereinfachten.

Ökonomische Anforderungen des Gesundheitswesens decken sich in diesem Punkt mit wichtigen Wünschen und Bedürfnissen der Betroffenen, erläuterte Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin der Forschungsgruppe Geriatrie an der Berliner Charité und Ärztliche Direktorin des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin.

Ältere Menschen wünschten sich, möglichst lange zu Hause selbstbestimmt zu leben. Dafür seien sie auch für technische Möglichkeiten sehr aufgeschlossen. „Ältere Menschen können sehr gut mit junger Technik umgehen“, betonte sie, die Assistenzsysteme müssten nur gut zu bedienen sein und ihre Aufgaben wirklich erfüllen.

Technikängste und -vorbehalte seien äußerst selten, auch bei den Angehörigen, im Gegenteil: „Wer einmal in der Wohnung gestürzt ist und sich nicht zu helfen wusste, der verlangt nach Assistenzsystemen, die ihn unterstützen und bei Bedarf Hilfe organisieren“, sagte sie. Vorbehalte gegen solche Systeme gebe es vor allem bei jüngeren Menschen, die mit den Problemen Älterer noch wenig zu tun hätten. © hil/aerzteblatt.de

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