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Medizin

Autismus: Frühe Entwicklungsstörung der Nervenfaserbahnen

Montag, 20. Februar 2012

Chapel Hill – Vor kurzem hatten britische Forscher bei Kindern, die später an einem Autismus erkrankten, bereits im Alter von sechs Monaten veränderte ereigniskorrelierte Potenziale (ERP) beschrieben. Jetzt weist ein US-Team im American Journal of Psychiatry (2012; doi: 10.1176/appi.ajp.2011.11091447) bei den Säuglingen auch eine gestörte Entwicklung der Faserbahnen im Gehirn nach.

Beide Teams hatten Kohorten von Kindern untersucht, die aufgrund einer positiven Familienanamnese ein erhöhtes Risiko hatten, an einer autistischen Störung zu erkranken. Beide Teams begleiteten die Kinder seit ihrer Geburt, um Frühzeichen der Erkrankung zu entdecken.

Das Team um Mark Johnson von der Universität London fand sie in ereigniskorrelierten Potenzialen (ERP) im EEG. Die Kinder zeigten hier im Alter von sechs Monaten eine veränderte Reaktion auf Blickkontakte – viele Monate bevor Psychiater aufgrund einer klinischen Untersuchung eine Diagnose wagen würden.

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Das Team um Joseph Piven vom Carolina Institute for Developmental Disabilities in Chapel Hill führte bei 92 Säuglingen im Alter von sechs Monaten kernspintomographische Untersuchungen durch. Mittels einer speziellen Berechnung, der fraktionalen Anisotropie, wurden Störungen der freien Diffusionen von Wassermolekülen im Hirngewebe bestimmt. Diese Störung treten an Zellmembranen auf. Die Diffusions-Tensor-Bildgebung kann aufgrund dieser Daten den Verlauf der Nervenfasern im Gehirn nachbilden und untersuchen.

Die Forscher fanden heraus, dass die 28 Kinder, die mit 2 Jahren autistische Verhaltensmerkmale zeigten, im Alter von 6 Monaten eine veränderte fraktionale Anisotropie in 12 von 15 untersuchten Faserbahnen aufwiesen. Im Alter von sechs Monaten war die fraktionale Anisotropie erhöht, im Alter von 24 Monaten wurden dagegen niedrigere Werte gemessen.

Die Studie bestätigt die Hypothese, dass den Erkrankungen Störungen der Hirnentwicklung zugrunde liegen, die möglicherweise noch vor dem 6. Lebensmonat beginnen. Laut Piven lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, ob die Untersuchung zur Früherkennung von autistischen Störungen (etwa bei Kindern mit einem erhöhten familiären Risiko) benutzt werden könnte. Der Einsatz dürfte vorerst auf den Forschungssektor beschränkt bleiben. © rme/aerzteblatt.de

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