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Medizin

Fehlerfreie Medikation: Wie Apotheker Hausärzten helfen könnten

Dienstag, 21. Februar 2012

Nottingham – Die Beratung durch einen Apotheker hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2012: doi: 10.1016/S0140-6736(11)61817-5) die Fehlerrate von Hausärzten bei Arzneimittelverordnungen deutlich gesenkt. Ein Editorialist bezweifelt allerdings, dass das Verfahren kostenneutral umgesetzt werden könnte.

Nach einer US-Studie kommt es bei sieben von 100 Hausarztpatienten wenigstens einmal im Jahr zu vermeidbaren Arzneimittelnebenwirkungen. Einige Fehler treten immer wieder auf. Dazu gehört beispielsweise die Verordnung von nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAID) ohne Gastroprotektion bei Patienten mit einem Magenulkus in der Vorgeschichte.

Auch die Verordnung von Betablockern an Asthmapatienten sollte unterbleiben. Bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenschwäche sollte die Verordnung von ACE-Hemmern beziehungsweise Schleifendiuretika nicht ohne ein Monitoring von Nierenfunktion und Elektrolyten erfolgen. Ein Team um Anthony Avery von der Universität Nottingham hat in einer Studie untersucht, ob eine intensive Beratung durch einen Apotheker die Häufigkeit dieser drei Fehler senken kann.

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Für die pragmatische PINCER-Studie wurden 72 Hausarztpraxen auf zwei Interventionen randomisiert. In der einen Gruppe erhielten die Ärzte von ihrer Praxissoftware eine Rückmeldung, wenn sie einen der drei genannten Fehler begangen hatten, in der zweiten Gruppe erhielten sie ebenfalls einen Warnhinweis der Praxissoftware. Es schloss sich aber zusätzlich eine Beratung durch einen Apotheker an.

Dazu arrangierte der Apotheker ein Treffen in der Hausarztpraxis, zu dem neben dem Arzt ein weiteres Mitglied des Praxisteams eingeladen wurde (Helferin, Praxismanager). Thema war der Medikationsfehler sowie die Erkundung von Möglichkeiten, wie dieser in Zukunft vermieden werden kann.

Diese zusätzliche Betreuung hatte eine deutliche Reduktion in der Fehlerrate zur Folge: NSAID wurden zu 42 Prozent seltener ohne Magenprotektion verschrieben, Asthmapatienten erhielten zu 27 Prozent seltener Betablocker, und bei der Verordnung von ACE-Hemmern und Schleifendiuretika wurden die Labortests zu 49 Prozent seltener vergessen. Alle Unterschiede waren statistisch signifikant.

Avery beziffert den Zeitaufwand der Apotheker auf 2 Stunden pro Woche. Seine Kosten-Nutzen-Berechnung kommt zu dem Ergebnis, dass pro verhinderten Verordnungsfehler 75 britische Pfund aufgewendet werden müssten. Die PINCER-Intervention sei deshalb eine kosten-effektive Möglichkeit, die Patientensicherheit zu verbessern.

Die Editorialisten Jeffrey Schnipper und Jeffrey Rothschild vom Brigham and Women’s Hospital in Boston bezweifeln indes, dass sich eine Beratung durch den Apotheker außerhalb der Studie realisieren lasse. Sie verweisen darauf, dass ein Drittel aller angeschriebenen Praxen die Teilnahme, vermutlich aus Zeitgründen, abgelehnt habe.

Das Modell wäre ihrer Ansicht nach, wenigstens unter den Bedingungen des US-Gesundheitssytems, kaum finanzierbar, da zusätzliche Apotheker eingestellt werden müssten. Außerdem bestünde die Gefahr, dass der Nutzen durch die Ausweitung der Überprüfungen in ihre Wirkung verwässern könne. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #98372
Thelber
am Mittwoch, 22. Februar 2012, 21:30

Patientensicherheit zu verbessern ist doch nie falsch ....

Oder ? Geht das auch, wenn so etwas Geld kostet ?
Avatar #92972
mediko
am Mittwoch, 22. Februar 2012, 08:13

"nicht fehlerfreier Artikel" - NSAID

Nur um Verwirrung vorzubeugen: "NSAID" sind keineswegs "nicht-selektive" sondern sondern "nicht-steroidale" Antiphlogistika ("nonsteroidal anti-inflammatory drugs").
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