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Ausland

Niederlande: Bislang 70 Anfragen für ambulante Sterbehilfe

Donnerstag, 1. März 2012

Amsterdam – Für die die umstrittene ambulante Sterbehilfe in den Niederlanden haben nach Angaben der „Niederländischen Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende“ (NVVE) bereits 70 Menschen ihr Interesse bekundet. Nachdem die Einführung der ambulanten Maßnahme Anfang Februar bekanntgegeben worden sei, hätten sich zahlreiche Patienten gemeldet, heißt es. Die Vereinigung rechnet eigenen Angaben zufolge mit etwa 1.000 Anfragen pro Jahr.

Die jeweils aus einem Arzt und einem Krankenpfleger bestehenden Teams sollen Betroffene zu Hause aufsuchen und dort die lebensbeendenden Maßnahmen durchführen. Ab Mitte des Jahres könne auch in einer Klinik in Den Haag ambulant Sterbehilfe geleistet werden. Grund für die Einführung der Teams ist laut NVVE, dass Menschen, die Sterbehilfe wünschten, immer wieder Schwierigkeiten hätten, einen dazu bereiten Arzt zu finden.

Die niederländische Ärzteorganisation KNMG äußerte sich in den Medien skeptisch. Die Entscheidung über Sterbehilfe dürfe nicht losgelöst von anderen äußeren Umständen fallen. Es brauche ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, um erkennen zu können, ob der Wunsch nach Sterbehilfe wirklich „freiwillig und wohlüberlegt“ sei. Man bezweifele, dass ein mobiles Euthanasie-Team dies sorgfältig beurteilen kann.

Auch in Deutschland stößt die Einführung der mobilen Sterbehilfe-Teams auf heftige Kritik. Es könne niemals zum Arztberuf gehören, den Tod herbeizuführen, erklärte der Chef der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery. Die Deutsche Hospiz Stiftung betonte, mit der Einführung mobiler Sterbehilfeteams werde die Idee einer humanen Tötung auf Wunsch des Patienten beerdigt.

Sterbehilfe ist in den Niederlanden seit April 2002 dann erlaubt, wenn ein Patient unerträglich leidet, aussichtslos krank ist und mehrfach ausdrücklich darum gebeten hat. Der Arzt muss einen Kollegen zu Rate ziehen. Die Staatsanwaltschaft wird nur bei Zweifeln an der ärztlichen Entscheidung angerufen. Sollte sich dabei herausstellen, dass der Arzt gegen die Regeln verstoßen hat, drohen ihm bis zu zwölf Jahren Haft. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Freitag, 2. März 2012, 16:41

BÄK misst mit "zweierlei Maß"!

Das neuerliche Statement von Montgomery in Sachen Sterbehilfe kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die BÄK ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem hat. Stets wird betont, dass es niemals zum Arztberuf gehöre könne, den Tod herbeizuführen.
Allein der Hinweis auf die unzähligen Schwangerschaftsabbrüche durch die Hand der Ärzteschaft zeigt eindrucksvoll, dass Mediziner durchaus hervorragende Mechaniker des Todes seien und im Übrigen die Musterberufsordnung diesen Tötungsakt für ethisch unbedenklich und demzufolge für sanktionslos hält.

Mit Verlaub: Die BÄK hat im Laufe der letzten Jahren ein seltsames Verständnis von der Ethik entwickelt und es ist hohe Zeit, die ethischen Grundsatzentscheidungen wieder dort zu verorten, wo sie hingehören: bei den einzelnen Ärztinnen und Ärzten. Unsere Gesellschaft braucht keine Oberethiker, auch nicht auf Seiten der Ärzteschaft, zumal nicht wenige Ärztefunktionäre sich anmaßen, über die individuelle Gewissensentscheidung ihrer Kolleginnen und Kollegen moralisch zu richten. Hier wird der "Selbstverwaltungsgedanke" nicht nur überstrapaziert, sondern geradezu in sein Gegenteil verkehrt, mal ganz davon abgesehen, dass die Ärztefunktionäre einen gebotenen Grundrechtsschutz ihrer Mitglieder vermissen lassen und demzufolge der Staat aufgerufen ist, hier deutliche Grenzen zu setzen.

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