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Politik

Jugendliche Gewalttäter: Therapie statt Strafe

Mittwoch, 7. März 2012

Berlin – ­ Zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Jugendliche für kurze Zeit zu inhaftieren, um sie auf diese Weise abzuschrecken, ist der falsche Weg. Davon ist der Ärztliche Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, Jörg M. Fegert, überzeugt. Der Koalitionsausschuss hatte am Wochenende beschlossen, einen solchen, sogenannten Warnschussarrest einzuführen.

„Schon heute haben die meisten jugendlichen Straftäter bereits Arresterfahrungen, die sie offensichtlich nicht abgeschreckt haben“, sagte Fegert im Vorfeld des dritten Kongresses der „European Forensic Child and Adolescent Psychiatry, Psychology and other involved Professions” (EFCAP), der vom 7. bis 9. März in Berlin stattfindet. Innerhalb seiner Gang könne der Straftäter durch seine Inhaftierung sogar geadelt werden; zudem komme er während seiner Inhaftierung mit anderen verurteilten Jugendlichen in Kontakt, die auf seine Entwicklung einen weiteren negativen Einfluss ausüben könnten.

Fegert kritisierte, dass in Deutschland solche rechtspolitischen Entscheidungen ohne empirische Basis getroffen würden. Darüber hinaus würden wissenschaftliche Befunde bei der ideologischen Debatte um Maßnahmen nach Jugendgewalttaten ignoriert werden.

Auf dem Kongress kommen Wissenschaftler und Praktiker aus Europa zusammen, um sich über Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie auszutauschen. So berichtete die Präsidentin des Royal College of Psychiatrist, Sue Bailey, über die Erfolge des „Crime and Disorder Act“ aus dem Jahr 1998 in Großbritannien. Durch dieses Gesetz seien die Plätze für Inhaftierungen von jugendlichen Straftätern von 3.000 auf 2.000 reduziert worden. In der Folge seien sowohl die Inhaftierungen als auch die Rückfälle jugendlicher Straftäter um ein Drittel zurückgegangen.

Wichtig sei dabei auch, die jugendlichen Straftäter nicht als Straftäter, sondern als Jugendliche zu behandeln. Der Chefarzt und Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, Klaus Schmeck, berichtete, dass in der Schweiz die Strafmündigkeit bei zehn Jahren liege und es keine Jugendgefängnisse gebe. „Auf diese Weise kann man bei jungen Straftätern früh intervenieren und sie mit auf sie abgestimmten Maßnahmen positiv beeinflussen“, erklärte Schmeck.

Das mache jedoch nur Sinn, wenn man nicht mit einem hohen Strafmaß, sondern mit Therapie auf ihre Straftaten reagiere. In den psychiatrischen Einrichtungen werde auch Wert darauf gelegt, dass die Inhaftierten eine Schul- und Berufsausbildung machen. Schmeck: „Denn wenn sie wieder frei sind, ist das für ihre Reintegration in die Gesellschaft von großer Bedeutung.“ © fos/aerzteblatt.de

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