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Medizin

Altes Blutdruckmittel hilft gegen Alpträume

Mittwoch, 7. März 2012

Rochester – Der Alpha-Blocker Prazosin, ein früher häufig verordnetes Antihypertensivum, kann Patienten mit posttraumatischem Stress-Syndrom möglicherweise von ihren Alpträumen befreien. Das zeigt eine systematische Übersicht, die auf dem European Congress of Psychiatry in Prag vorgestellt wurde.

Prazosin war bis in die 90er Jahre hinein ein häufig eingesetztes Antihypertensivum („Minipress“). Inzwischen wurde es von anderen Mitteln abgelöst, die zielsicher in die Blutdruckregulation eingreifen und vielfach besser verträglich sind. Prazosin erzielt seine Wirkung durch die Blockade von Alpha-1-Rezeptoren, der Andockstelle für die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin.

Der Alpha-1-Blocker Prazosin überwindet die Blut-Hirnschranke. Die Hemmung der zentralnervösen Alpha-1-Rezeptoren soll für einige störende zentral-nervöse Nebenwirkung von Prazosin verantwortlich sein. Psychiater haben den Wirkstoff jedoch vor einigen Jahren gerade aufgrund dieser zentralen Wirkung wieder entdeckt.

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Bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) soll ein vermehrtes Ansprechen der zentralen Alpha-1-Rezeptoren auf das Stresshormon Noradrenalin an der Pathogenese von Alpträumen beteiligt sein. Bereits 2003 konnte Murray Raskind von einer US-Veteranen-Klinik in Seattle in einer kleinen placebokontrollierten Studien zeigen, dass Prazosin den Schlaf von Vietnamveteranen verbessert und sie vor grässlichen Alpträumen schützt.

Inzwischen sind weitere Studien hinzugekommen. Simon Kung von der Mayo Clinic in Rochester hat die Ergebnisse von 12 Studien zusammengefasst. Auf dem Europäischen Psychiaterkongress in Prag bezeichnete er das alte Antihypertensivum als eine „vielversprechende Option“ zur Behandlung von Alpträumen bei PTSD. In den Studien habe Prazosin eine gute Verträglichkeit gezeigt, so dass sich Kung auch eine Anwendung bei Alpträumen vorstellen kann, die nicht durch eine PTSD ausgelöst werden.

Bei der PTSD sind die Alpträume oft so erschreckend, dass viele Patienten Alkohol- oder Drogenprobleme entwickeln, berichtet Kung. In diesem Zusammenhang dürfte interessant sein, dass Prazosin auch als Option zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit in der Diskussion ist. Nach den vielversprechenden Ergebnissen einer Pilotstudie von Raskind (Alcohol Clin Exp Res. 2009; 33: 255-63) führt das US-National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism derzeit eine Phase-II-Studie durch, deren Ergebnisse für 2013 erwartet werden.

In Deutschland wird derzeit nur ein einziges Präparat mit Prazosin angeboten. Es ist nur zur Behandlung der arteriellen Hypertonie zugelassen. © rme/aerzteblatt.de

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