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Weiterbildung Allgemeinmedizin: Besser im Verbund

Freitag, 9. März 2012

Köln – Seit 2007 unterstützt und koordiniert das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin (www.weiterbildung-allgemeinmedizin.de) von Heidelberg aus den Aufbau regionaler Weiterbildungsverbünde, die Krankenhäuser und Praxen in ganz Baden-Württemberg miteinander vernetzen. Neben der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Universität Heidelberg gehören dem Kompetenzzentrum die allgemeinmedizinischen Abteilungen der Universitäten Freiburg, Mannheim, Tübingen und Ulm an.

Ziel ist es, durch eine hohe Qualität der Weiterbildung die Attraktivität des Fachs für den hausärztlichen Nachwuchs zu steigern, betonen die Initiatoren. Für die angehenden Hausärzte bedeutet die Verbundweiterbildung, dass sie ihre gesamte Weiterbildung nach einem festen Rotationsplan in einer Region absolvieren können – ohne mühsame Stellensuche, ohne Phasen der Arbeitslosigkeit und ohne größere Ortswechsel.

Einer der derzeit mehr als 200 Teilnehmer an der Verbundweiterbildung plus ist Dr. med. Marco Roos. Der 34-Jährige absolviert zurzeit sein viertes Weiterbildungsjahr und arbeitet in der akutgeriatrischen Abteilung eines 470-Betten-Krankenhauses in Mannheim. Außerdem ist Roos in der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg und dem Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin Baden-Württemberg tätig.

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5 Fragen an Dr. med. Marco Roos, Teilnehmer an der Verbundweiterbildung plus des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg

DÄ: Herr Dr. Roos, Warum wollen Sie Hausarzt werden?

Roos: Für mich war schon während des Studiums klar, dass ich Hausarzt werden will. Mich reizt an dem Beruf, die kontinuierliche Patientenbetreuung sowie die Möglichkeit, zu seinen Patienten eine langfristige Beziehung aufbauen zu können. Wichtig ist mir auch der ganzheitlich-generalistische Ansatz bei der medizinischen Versorgung.

DÄ: Hat die Möglichkeit der Verbundweiterbildung Ihre Entscheidung für die Allgemeinmedizin beeinflusst?

Roos: Ob ich mich ohne die Möglichkeit der Verbundweiterbildung gegen die Allgemeinmedizin entschieden hätte, weiß ich nicht. Was ich aber sagen kann, ist, dass sie mir sehr wichtig war. Ich habe zunächst hier in Heidelberg an der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung wissenschaftlich gearbeitet, aber schon bei meinem Vorstellungsgespräch mit dem Leiter der Abteilung, Prof. Sceczenyi, gesagt, dass mir eine strukturierte, kontinuierliche Weiterbildung genauso wichtig ist. Das passte damals gut mit dem Start der Verbundweiterbildung plus zusammen.

DÄ: Was empfinden Sie bei der Weiterbildung im Verbund als vorteilhaft?

Roos: Da ist zunächst einmal die Struktur. Obwohl ich viele Stellen durchlaufen habe, hatte ich bisher während der ganzen Weiterbildungszeit nie Probleme, einen Anschluss zu finden. Ich hatte keine Phasen der Arbeitslosigkeit zwischen verschiedenen Stellen, musste nicht umziehen. Es war immer klar, wie es weitergeht.

Hier in Baden-Württemberg haben wir mit der Verbundweiterbildung plus ein flächendeckendes Angebot. Man bewirbt sich dort gleich mit dem Wunsch, in welcher Region man arbeiten möchte. Es folgt ein persönliches Gespräch, um bestehende mit persönlichen Bedürfnissen abzustimmen. In der Regel kann man auch in der Verbundweiterbildung die eigenen Interessen verfolgen. Bislang ist es möglich, auf die persönlichen Wünsche der Bewerber einzugehen.

Ein weiterer Vorteil sind die Weiterbildungsinhalte. Das begleitende Schulungsprogramm für die Ärzte in Weiterbildung ist ein ganz entscheidendes Plus. Man kann bei diesen Schulungen das, was man in der Klinik lernt, noch einmal aus allgemeinmedizinischer Sicht aufarbeiten und bewerten. Umgekehrt regen einen die Schulungen, die man zusammen mit den anderen Ärzten in Weiterbildung für Allgemeinmedizin absolviert, aber auch dazu an, in der Klinik speziell auf das zu achten, was man im späteren Berufsalltag gebrauchen kann. Dazu kommt natürlich der Kontakt zu Gleichgesinnten.

DÄ: Wie viele Ihrer ehemaligen Kommilitonen haben denselben Weg eingeschlagen wie Sie?

Roos: Zum Zeitpunkt des Examens war ich schon so eine Art Exot. Interessant finde ich, dass mich jetzt, nach drei, vier Jahren im Beruf, doch viele ehemalige Kommilitonen anrufen und fragen, wie man denn in die Allgemeinmedizin wechseln könnte, weil es inzwischen auch für sie interessanter geworden ist. Das hängt sicherlich mit der inhaltlichen Arbeit als Hausarzt zusammen, aber ein großer Teil dürfte auch auf die erlebten Strukturen in anderen Fachdisziplinen zurückzuführen sein, die für Einzelne unattraktiv werden.

Dazu muss ich sagen, dass zu Beginn der Weiterbildung weniger als die Hälfte meiner Studienkollegen schon genau wusste, was sie machen wollten. Es gibt inzwischen genügend Beispiele von Ärzten, die das Fach gewechselt haben. Das extremste Beispiel ist vielleicht das des Kommilitonen, der Unfallchirurg werden wollte und der jetzt über ein Weiterbildungsjahr in der Inneren Medizin doch in die Niederlassung gehen und Allgemeinarzt werden möchte, vielleicht mit sportmedizinischem Hintergrund. Er hat den kompletten Schwenk vollzogen.

DÄ: Wie sehen Sie denn Ihre Zukunft?

Roos: Ich will mich auf jeden Fall niederlassen. Dabei käme auch der ländliche Raum infrage. Ich will aber keine Einzelpraxis betreiben. Mein Wunsch ist eine Gemeinschaftspraxis mit zwei oder mehr Kollegen.

Das Gespräch führte Heike Korzilius © HK/aerzteblatt.de

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