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Ausland

Britische Gerichte müssen über Sterbehilfefall entscheiden

Montag, 12. März 2012

London – Die britische Justiz hat einem am Locked-in-Syndrom leidenden vollständig gelähmten Mann zugestanden, seinen Wunsch nach Sterbehilfe weiter vor Gericht zu verfolgen. Der Londoner High Court entschied heute, dass der 57-jährige Tony Nicklinson versuchen kann, gerichtlich durchzusetzen, dass er einen Arzt mit der Sterbehilfe beauftragen darf, ohne dass dieser wegen Mordes belangt wird. Das Justizministerium hatte sich gegen Befassung des Falls durch die Justiz ausgesprochen, da die Debatte über die - derzeit illegale - Sterbehilfe Sache des Parlaments sei.

Das Gericht akzeptierte auch Nicklinsons Argumentation, wonach das in Artikel acht der Menschenrechtskonvention verbriefte Recht auf Privatleben das Recht umfasse, seinem Leben ein Ende zu setzen. Allerdings lehnte der Richter William Charles den Antrag des Klägers ab, das Gesetz zur Sterbehilfe zu überprüfen. Das sei Sache des Parlaments, befand er.

Beihilfe zum Suizid ist in England ein Straftatbestand, der mit bis zu 14 Jahren Haft belegt werden kann. Obwohl mehr als 100 todkranke Briten in den vergangenen zehn Jahren ihr Leben in ausländischen Kliniken beendeten, wurde bislang niemand wegen Sterbehilfe strafrechtlich verfolgt.

Im Februar 2010 hatte die Staatsanwaltschaft zwar neue Richtlinien zum Umgang mit solchen Fällen verabschiedet; zu strafrechtlichen Konsequenzen für die betreffenden Freunde und Angehörigen der Getöteten hat dies jedoch bislang nicht geführt.

2008 scheiterte die schwerkranke Britin Debbie Purdy mit einem Gesuch zur gesetzlichen Klärung. Sie wollte Straffreiheit für ihren Mann erreichen, wenn er Beihilfe zum Suizid leiste. Der Oberste Gerichtshof wies das Anliegen zurück.

Nicklinson hat nach Angaben der BBC 2005 einen schweren Schlaganfall erlitten. Er könne sich lediglich durch einen Sprachcomputer verständigen. Seine Frau Jane habe erklärt, ihr Gatte wisse derzeit noch nicht, wann konkret er sterben wolle. er wünsche sich lediglich einen „Notausgang“, falls seine Lage mit zunehmendem Alter noch unerträglicher werde.

Anfang Januar hatte die „Commission on Assisted Dying“ unter Leitung des früheren Generalstaatsanwalts und Lordkanzlers Lord Falconer einen Vorstoß für eine Liberalisierung der Sterbehilfe veröffentlicht. Demnach sollen Volljährige, die unheilbar krank sind und eine Lebenserwartung von weniger als einem Jahr haben, einen assistierten Suizid wählen können. Voraussetzung sei, dass die Betreffenden nicht geistig beeinträchtigt seien und die Sterbeabsicht mit zwei unabhängigen Ärzten erörtert werde. © afp/kna/aerzteblatt.de

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