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Wachstumsmarkt Gesundheitstourismus

Freitag, 16. März 2012

dpa

Heidelberg ­– Mit Hochglanz-Broschüren auf arabisch, russisch oder in asiatischen Sprachen umwirbt die Heidelberger Universitätsklinik zahlungskräftige potenzielle Patienten aus dem Ausland. Während der vergangenen Jahre hat das Uni-Klinikum seinen Service professionalisiert, berichtet Marcus Gudera, Abteilungsleiter der Patientenverwaltung. Patienten aus dem Ausland könnten nicht nur mit Dolmetschern rechnen. Die Bereitstellung muslimischer Seelsorger oder die Gestaltung des Freizeitprogramms für Familienmitglieder gehöre mittlerweile zum Repertoire des „International Office" der Uniklinik.

900 internationale Patienten kommen jährlich zur stationären Behandlung etwa von Tumor- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, berichtet Gudera. 2.000 weitere Patienten lassen sich ambulant behandeln. Rund 40 Prozent der Gastpatienten sind aus europäischen Ländern. Die Araber stellen knapp 30, die Osteuropäer ungefähr 20 Prozent.

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Auch andere namhafte Kliniken in Baden-Württemberg etwa in Stuttgart oder Freiburg werben bereits erfolgreich um ausländische Patienten. An der Uniklinik Freiburg werden pro Jahr etwa 2.300 Ausländer behandelt, wie Cornelia Bayer von der Stabstelle „International Medical Services" berichtet. 97 Prozent davon sind aus verschiedenen Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Kliniken halten sich bei Einnahmen bedeckt
„Die Tatsache, dass es sich dabei um selbstständig zahlende Patienten handelt, macht die Behandlung der Patienten auch aus Sicht der Klinik lukrativ", sagt Bayer. Auf der anderen Seite zählten medizinische Einrichtungen in Deutschland neben britischen, US-amerikanischen und israelischen Kliniken zu den international angesehensten.

Ihre konkreten Gewinne durch die besondere Kundschaft will die Uniklinik Heidelberg nicht preisgeben. Die zusätzlichen Erträge durch die Behandlung internationaler Patienten seien „besonders bedeutsam, da es sich um extra-budgetäre Einnahmen des Klinikums handelt", beteuert aber Kerstin Ammon vom International Office.

Für ausländische Patienten stelle man für vergleichbare Behandlungen etwas höhere Rechnungen als für deutsche Patienten, da etwa der bürokratische Aufwand höher sei und auch das medizinische Personal mehr Zeit mit einem solchen Patienten verbringe.

Um den kulturellen Unterschieden gerecht zu werden, absolviere das Pflegepersonal auch Fortbildungsseminare, berichtet Kerstin Ammon. Dass Unikliniken, wie beispielsweise in Heidelberg oder Freiburg, ihren Service für Auslandspatienten professionalisieren, ist aus Sicht von Jens Juszczak der richtige Schritt. Laut dem Wirtschaftswissenschaftler von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist der Medizintourismus nach Deutschland noch immer ein Nischengeschäft: „Das zeigt sich schon allein an den Zahlen. 2010 hatten wir in Deutschland von insgesamt 18 Millionen stationären Patienten gerade einmal 77.000 Fälle aus dem Ausland."

Dennoch müsse man von einem Wachstumsmarkt sprechen. So sei im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von neun Prozent zu verzeichnen gewesen mit steigender Tendenz. Würden deutsche Kliniken ihren Service nach Muster der Heidelberger und Freiburger professionalisieren, könnte das Geschäft noch stärker anziehen, „zumal die Kliniken über das erwirtschaftete Geld frei verfügen können und nicht wie üblich mit den Krankenkassen abrechnen müssen", sagt Jens Juszczak. © dapd/aerzteblatt.de

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