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Politik

Verbände fordern Korrekturen am Psych-EntgG

Freitag, 16. März 2012

Berlin – Die Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Krankenhaus­direktoren Deutschlands (VKD) sowie psychiatrische und psychosomatische Verbände haben in einer gemeinsamen Resolution davor gewarnt, dass das geplante „Gesetz zur Einführung eines pauschalierten Entgeltsystems für psychiatrische und psychosomatische Einrichtungen“ (Psych-EntgG) die psychiatrische Versorgung gefährde.

„Die Besonderheiten in der Versorgung psychisch kranker Menschen finden bei der Entwicklung des neuen Vergütungssystems für die Leistungen der psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken noch keine akzeptable Berücksichtigung“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Er forderte, dass sich das Vergütungssystem an der Versorgung orientieren müsse, nicht umgekehrt.

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Die Gesetzesinhalte blieben noch weit hinter den Erwartungen der psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken zurück, so Baum. „Zentrale Sorge ist es, dass die im Gesetzentwurf vorgesehene Umstellung der Vergütung auf behandlungsabhängige, bundeseinheitliche Tagespauschalen in der jetzigen Fassung die in Deutschland bewährten Versorgungsstrukturen und die Versorgungsqualität gefährden“, sagte der DKG-Geschäftsführer.

Die Unterzeichner der Resolution forderten daher Korrekturen am Gesetzentwurf. Es sei nicht akzeptabel, dass der Gesetzentwurf die schon heute steigende Zahl der psychischen Erkrankungen und damit die Morbiditätslast noch stärker als bisher den Krankenhäusern aufbürde. Zudem müsse künftig eine ausreichende Personalausstattung der Kliniken gewährleistet werden. „Tarifbedingte Personalkostensteigerungen müssen in voller Höhe in die Finanzierung der Krankenhäuser einfließen und dürfen nicht länger durch die Grundlohnrate gekappt werden“, heißt es in der Resolution.

© hil/aerzteblatt.de

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Avatar #99598
Clemens-X
am Montag, 2. April 2012, 21:58

Danke für Ihren Mut, solche Worte auszusprechen!

Ich bin zwar mit meinem Kommentar etwas spät dran, aber: Wer immer noch glaubt, dass sich seit der Psychiatrie-Reform in den Psychiatrischen Krankenhäusern alles zum Besseren gewandelt hätte, der irrt. Die Missstände, die Sie, Herr Bischoff anreißen, wurden mir und meinen Mitschülern (Heilpraktiker für Psychotherapie) in einer namhaften Heilpraktikerschule durch einen Dozenten bestätigt. Dieser Dozent war über lange Jahre hinweg bis ca. 2oo4 in einer großen Psychiatrie im Kreis Rottweil als leitender Psychiater tätig.

Als Unterrichtsmaterial zum Thema Psychosen und deren Behandlung brachte er mit Stolz geschwellter Brust stapelweise Broschüren eines großen Pharmakonzerns mit, an deren Texten er maßgeblich mitgewirkt hatte. Dementsprechend war er auch von den pharmakologischen Behandlungsmethoden absolut überzeugt. Als wir ihn auf die durchaus häufig auftretenden (um nicht zu sagen, fast immer auftretenden) Nebenwirkungen ansprachen, argumentierte er, dass es keine Behandlungsalternativen gebe und daher ganz bewusst Mittel eingesetzt würden, die auch massive Nebenwirkungen haben könnten, im Sinne des „kleineren Übels”.
Und dann imitierte er den schlurfenden Gang eines Menschen mit extrapyramidalen Störungen und die Effekte von Dyskinesien. Und er berichtete von Menschen, bei denen sich die Augäpfel nach innen drehen würden. — Wir waren alle entsetzt! Und wir fragten ihn, woher er das Recht nehme, nicht einwilligungsfähigen Patienten diese zusätzlichen (teils irreversiblen) Behinderungen durch die Nebenwirkungen der Medikamente als bessere Alternative aufzuzwingen unter dem Vorwand, ihre psychischen Störungen mildern zu wollen. Und das bei völlig unsicheren Prognosen solcher Medikation.

Seine komplette fachliche Inkompetenz zeigte dieser leitende Psychiater uns dann, als er nicht in der Lage war, die narzisstische oder die emotional instabile Persönlichkeitsstörung aus der Denk- und Empfindungswelt des Betroffenen heraus anschaulich darzustellen. Statt dessen wollte er uns allen Ernstes weiß machen, „dass viele Borderline-Patienten regelrecht bösartig seien” und wir uns vor ihnen schützen müssten. „Eine Patientin hätte ihn bei einer emotionalen Entgleisung tätlich angegriffen und die teure Lederhose zerrissen.” Ich meinte in der Pause dann, dass es ihm völlig zurecht geschehe, angegriffen zu werden, wenn er solche eines Psychiaters und Therapeuten unwürdige Meinungen vertrete. Er hätte eine viel schmerzhaftere Tätlichkeit wahrlich verdient gehabt!!!

Durch meine auch der Leitung der Heilpraktikerschule gegenüber vorgebrachte, massive aber im Detail fein begründete und sachliche Kritik habe ich dafür sorgen können, dass dieser Psychiater trotz seines in der Fachwelt sehr hohen Ansehens wohl nie wieder dort unterrichten darf.

Indirekt habe ich dadurch bestätigt gefunden, was in den Büchern des psychiatrie-erfahrenen Autors Peter Lehman beschrieben wird. Und ich habe voller Entsetzen sozuasgen aus erster Hand bestätigt erhalten, dass diese Verhältnisse offensichtlich auch heute noch in vielen Psychiatrien üblich sind.

Und es bestätigt mich in meiner Haltung: Wo derart viel Geld verdient wird, wie im Psychopharmaka-Markt, da ist die Korruption nicht weit und sie macht auch vor Weißkitteln nicht Halt. Wir haben als angehende Heilpraktiker für Psychotherapie den Grundsatz gelernt: »Primum non nocere« - Aber für viele Approbierte scheint dies nicht zu gelten.


Andererseits - und um wieder auf das Thema zurück zu kommen: Ich kenne viele Menschen, die trotz heftiger Depression erst nach 2 bis 3 Monaten Wartezeit ein Erstgespräch bei einem Therapeuten erhalten haben. Und ein ambulanter Therapieplatz wird vielleicht (!!!) in 9 bis 12 Monaten frei. Aber das Elend der betroffenen begann meist schon Jahre vorher: Denn deren Hausärzte erkannten die Depression meist nicht. Und wenn doch, dann wurde einfach mal Fluspi als Depot gespritzt. Hauptsache wieder arbeitsfähig! - DAS ist die reale Versorgungssituation in Deutschland. Was wir brauchen, ist also zunächst eine bedarfsgerechte ambulante psychotherapeutische Versorgung. Dadurch würden Patienten ihre Therapie so zeitnah erhalten, dass sich deren Zustand nicht derart verschlimmern muss, dass sie die Psychiatrie benötigen. Dann aber blieben wohl zu viele Plätze in den Psychiatrien leer und manche würden ihre Arbeitsplätze verlieren.

Das Psych-EntgG und andere (Schein-)Reformen ändern an diesen skandalösen Verhältnissen nichts. Es wird weiterhin nicht um die Patienten gehen, sondern um das Sichern von Pfründen, um Geld und Macht. - Nichts Neues also?

Clemens M. Hürten - gesSso - Rottweil
Avatar #103574
mkohlhaas
am Montag, 19. März 2012, 18:21

Die müssten ja noch Holz zum Heizen bringen.

Die Qualität der "Behandlung" in der Psychiatrie, ist jetzt schon in vielen Kliniken eine Katastrophe. Das liegt allerdings nicht am geringen Entgelt, dass sie als Tagessatz erhalten, sondern am Menschenbild des Personals was darin resultiert wie manche Kliniken mit den Menschen umgehen.
Ich habe es schon erlebt, dass ein Mensch abgefüllt mit Medikamenten auf dem Flurboden lag und das Personal sich auch nicht darum kümmerte. Nicht aus Arbeitsüberlastung sondern sie saßen alle im Aufenthaltsraum.
Des anderen werden Menschen mit Gutachten die aus den Fingern gesogen werden, meist solle es eine paranoide Schizophrenie sein, nach PsychKG, eingesperrt und die Krankenkassen abgezockt.
Man sollte den Kliniken nur noch Geld zahlen wenn der Patient, wenn er wieder entlassen ist, erklärt dass er mit der Behandlung zufrieden war.
Ansonsten sollte die Klinik dem Patienten die gleiche Summe als Schmerzensgeld bezahlen müssen.
Dieses Gejammer dieser Zunft die sich auch Ärzte, und deren Profession, mit wenigen Ausnahmen darin besteht, den Menschen im Hirnstoffwechsel herumzupfuschen und dies bei der Krankenkasse als Heilbehandlung abzurechnen ist unerträglich

Johannes Georg Bischoff
Diplom-Psychologe

LNS

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