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Medizin

Kindertuberkulose in Deutschland

Montag, 19. März 2012

Eine mikroskopische Aufnahme von Tuberkulose-Bakterien, die als rote längliche Gebilden sichtbar sind /dapd

Berlin – In Deutschland steigt die Zahl der Kinder, die an Tuberkulose erkranken. Dies teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) im Vorfeld des Welttuberkulosetags am 23. März mit, der in diesem Jahr unter dem Slogan „Von Anfang an – für ein Leben ohne Tuberkulose“ die Verhinderung der Kindertuberkulose in den Mittelpunkt stellt.

Laut RKI sind im Jahr 2010 insgesamt 158 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an einer Tuberkulose erkrankt. Damit habe sich der 2009 erstmals beobachtete Anstieg fortgesetzt (2009: 142 Fälle; 2008: 124 Fälle). Zuvor waren die Erkrankungszahlen wie auch bei den Erwachsenen zurückgegangen. 158 erkrankte Kinder und Jugendliche sind im internationalen Vergleich wenig.

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Die Welt­gesund­heits­organi­sation schätzt die Zahl der Neuerkrankungen weltweit auf eine Million. Doch der Anstieg der Erkrankungszahlen bei Kindern und Jugendlichen ist für das RKI ein Anzeichen für eine mögliche Trendänderung in Deutschland. Bei Kindern sei die Tuberkulose fast immer auf eine kürzlich erfolgte Ansteckung zurückzuführen und damit ein Indikator für das aktuelle Infektionsgeschehen, sprich: Viele Kinder könnten sich auch in Deutschland angesteckt haben.

Ein weiteres Anzeichen für eine mögliche Trendänderung sieht das RKI im abgeflachten Rückgang der Gesamterkrankungszahlen. In Deutschland ist die Zahl der Tuberkulose-Fallzahlen seit dem Zweiten Weltkrieg fast jedes Jahr gesunken.

Dieser Trend hat sich auch 2012 fortgesetzt. Dem RKI wurden 4.330 Erkrankungen gemeldet. 136 Menschen sind an der Tuberkulose gestorben. Im Jahr 2009 hatte es noch 4.419 Fälle, davon 164 Todesfälle gegeben. Der Rückgang war damit schwächer als noch vor Jahren. Bis 2008 sei die Zahl der Erkrankungen jährlich um 6 bis 7 Prozent gesunken, seither habe sich der Rückgang auf 1,8 Prozent reduziert.

Aufgrund der deutlich höheren Prävalenz, vor allem in osteuropäischen Ländern befürchtet das RKI seit längerem einen Anstieg der Erkrankungszahlen. Dies ist in Frankfurt oder Köln, die die höchste Zahl von Erkrankungen haben, noch nicht aufgetreten. In Berlin steigt jedoch seit 2009 die Zahl der gemeldeten Fälle: 2011 waren es 330 Erkrankungen.

Das RKI betrachtet vor allem die Migration aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa und Asien, die größtenteils hohe Tuberkulose-Prävalenzen haben, als Ursache. Im europäischen Vergleich ist die Situation in Berlin aber recht günstig. Als Tuberkulose-Hochburg unter den Metropolen Europas gilt London: Dort hat es bereits 2009 3.450 Fälle gegeben. © rme/aerzteblatt.de

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