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Medizin

Leukämie: Antidepressivum überwindet Retinoid-Resistenz

Montag, 19. März 2012

London/Münster – Für Tranylcypromin, ein älteres Antidepressivum, deutet sich ein neues Einsatzgebiet an. Der Wirkstoff hat in experimentellen Studien in Nature Medicine 2012; doi: 10.1038/nm.2661) die Retinoid-Resistenz der akuten myeloischem Leukämie (AML) überwunden. In klinischen Studien soll jetzt untersucht werden, ob die Kombination aus Tranylcypromin und All-Trans-Retinsäure (ATRA) die Therapieergebnisse der AML verbessern kann.

ATRA, besser bekannt als Tretinoin, bekämpft Leukämiezellen, indem es ihre Reifung fördert. Durch einen „Differenzierungsschub“ verlieren die Zellen ihre Fähigkeit zur Zellteilung und sterben ab. Diese raffinierte Therapie mit ATRA funktioniert allerdings nur bei der akuten Promyelozytenleukämie (APL). Es handelt sich um eine Variante der AML. Der Anteil beträgt in Deutschland nur etwa 10 Prozent. Dank ATRA sind die langfristigen Überlebensraten (56 Prozent nach 6 Jahren) auch bei älteren Menschen heute deutlich höher als bei anderen Formen der AML.

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Bei anderen Varianten der AML hat sich ATRA als wirkungslos erwiesen. Das Team um Arthur Zelent vom Institute of Cancer Research in London vermutet, dass diese Retinoid-Resistenz durch das Abschalten bestimmter Gene an den Histonen verursacht wird. Die Histone sind Spulen, auf denen die DNA im Zellkern platzsparend aufgewickelt ist. Dabei spielen bestimmte Enzyme eine Rolle, die Methylgruppen von der DNA entfernen. Dieser Vorgang wird auch als Epigenetik bezeichnet.

Eines dieser Enzyme ist LSD1 (lysine-specific demethylase 1). Zusammen mit Forschern der Universität Münster haben die britischen Wissenschaftler herausgefunden, dass die Hemmung von LSD1 den „molekularen Block“ überwinden kann, der für die Retinoid-Resistenz verantwortlich ist. Zu den Inhibitoren von LSD1 gehört Tranylcypromin, ein älteres Antidepressivum.

In Laborexperimenten und in Tiermodellen konnten die Forscher durch die Kombination von Tranylcypromin mit Tretinoin andere Varianten der AML erfolgreich bekämpfen. Da die beiden Wirkstoffe seit längerem als Medikamente im Einsatz sind, können die Forscher auf weitere Tierversuche zur Toxizität verzichten. Noch in diesem Sommer sollen die ersten Phase-II-Studien beginnen, die zeigen werden, ob Tranylcypromin die Therapieergebnisse bei der AML auf das Niveau der APL anheben kann.

© rme/aerzteblatt.de

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