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Medizin

ASS senkt Risiko von Krebs und Metastasen

Mittwoch, 21. März 2012

dpa

Oxford – Britische Meta-Analytiker untermauern in drei neuen Übersichten ihre Ansicht, dass die tägliche Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) vor Krebserkrankungen schützt. Nach den neuen Studien soll ASS auch Metastasen verhindern. Des Weiteren soll das Risiko von Blutungen geringer sein als bisher angenommen. Die Ergebnisse stoßen bei Editorialisten jedoch auf Bedenken.

Bereits dreimal – 2007, 2010 und 2011 – hat das Team um Peter Rothwell von der Universität Oxford im Lancet in Meta-Analysen zu belegen versucht, dass ASS vor Kolorektalkarzinomen und anderen Krebserkrankungen schützt. Jedes Mal hatten die Meta-Analytiker frühere randomisierte klinische Studien ausgewertet, die zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgeführt wurden. Dies ist auch dieses Mal der Fall. Die Meta-Analytiker konnten jedoch durch den Einschluss weiterer Studien ihre Datenbasis verbreitern.

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Für die erste Analyse im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(11)61720-0) hat das Team 51 Studien zusammengefasst. Danach senkt die tägliche Einnahme von ASS das Risiko an Krebs zu sterben um 15 Prozent. Wenn die Teilnehmer ASS länger als 5 Jahre eingenommen hatten, wurde das Risiko sogar um 37 Prozent gesenkt. Anders als in früheren Auswertungen war die präventive Wirkung bei Frauen und Männern gleichermaßen vorhanden.

Infolge der reduzierten Krebstodesfälle war auch die Zahl der nicht-vaskulär bedingten Todesfälle um 12 Prozent vermindert. Dieser Vorteil wurde zwar in den ersten Jahren durch eine erhöhte Rate von schweren Blutungen – einem bekannten Risiko von ASS – wieder aufgehoben.

Nach den Daten der Oxforder Meta-Analytiker sinkt das Blutungsrisiko aber mit zunehmender Dauer der ASS-Einnahme. Am Ende bleibe es bei einem alleinigen Vorteil durch eine verminderte Krebssterblichkeit, den das Team ab dem 3. Jahr auf 3,13 pro 1.000 Personenjahre beziffert. Die Studie macht allerdings keine Angaben zur Gesamtsterblichkeit, so dass nicht auszuschließen ist, dass der Vorteil in der Krebssterblichkeit nicht doch auf einem anderen Gebiet wieder aufgehoben wird.

In der zweiten Analyse im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140- 6736(12)60209-8) kommen Rothwell und Mitarbeiter zu dem Ergebnis, dass die tägliche Einnahme von ASS auch das Risiko einer Metastasenbildung vermindert. Auch diese Analyse stützt sich auf Studien zum Einsatz von ASS bei kardiovaskulären Erkrankungen.

Die Forscher könnten jedoch zeigen, dass es im ASS-Arm nach 6,5 Jahren zu 36 Prozent seltener zu einer Krebserkrankung mit Fernmetastasen gekommen ist. Bei den Adenokarzinomen (dazu gehören Krebserkrankungen in Darm, Lunge und Prostata) betrug die Reduktion sogar 46 Prozent, bei anderen soliden Malignomen (Blase, Nieren) dagegen nur 18 Prozent.

Die Forscher fanden ferner heraus, dass ASS auch bei Krebspatienten, die anfangs frei von Tochtergeschwulsten waren, die spätere Entwicklung von Fernmetastasen um 55 Prozent vermindert. Beim Kolorektalkarzinom wurde die Metastasenbildung sogar um 74 Prozent vermindert.

Eine dritte Analyse in Lancet Oncology (2012; doi: 10.1016/S1470- 2045(12)70112-2) bestätigt die Ergebnisse für seltenere Krebserkrankungen, für die in den randomisierten Studien keine signifikanten Zusammenhänge gefunden wurden.

Rothwell geht in der Pressemitteilung zwar nicht so weit, allen gesunden Menschen ab einem gewissen Alter die tägliche Einnahme von ASS zu empfehlen. Die derzeitigen Leitlinien, die die Einnahme von ASS weitgehend auf die Sekundärprävention nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschränkt, müssen seiner Ansicht nach aber überarbeitet werden.

Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Andrew Chan und Nancy Cook von der Harvard Medical School, Boston, erheben im Editorial bereits Einwände. Sie weisen darauf hin, dass Rothwell ausgerechnet die beiden größten randomisierten klinischen Studien zur Primärprävention, die Women's Health Study (WHS) und die Physicians’ Health Study (PHS) mit zusammen mehr als 60.000 Teilnehmern, ausgeschlossen hat.

In diesen Studien hatte ASS keine darmkrebspräventive Wirkung erzielt. Rothwell begründet den Ausschluss mit dem alternierenden Einnahmemodus (alle 2 Tage), was Chan und Cook nicht restlos überzeugt.

Sie hätten es auch begrüßt wenn Rothwell seine Analyse nicht auf Studien zur kardiovaskulären Primärprävention beschränkt hätte, sondern die zahlreichen Studien zur Sekundärprävention berücksichtigt hätte. Bemängelt wird auch, dass die Studien keine Daten zu Krebsvorsorgeuntersuchungen erhoben haben. Schließlich sehen Chan und Cook noch Mängel bei der Aufarbeitung der Daten. © rme/aerzteblatt.de

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