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Gemeinsame Resolution gegen Pflichttertial Allgemeinmedizin im PJ

Mittwoch, 21. März 2012

Berlin – Medizinstudierende sollten weiterhin die Möglichkeit haben, im dritten Tertial des Praktischen Jahres (PJ) ihr Fach frei zu wählen. Das Wahltertial darf nicht durch einen viermonatigen Pflichtabschnitt in einer allgemeinärztlichen Praxis ersetzt werden. Das fordern 18 medizinische Fachgesellschaften und Verbände, zusammen mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und den Jungen Neurologen in einer gemeinsamen Resolution. Für eine Stärkung der Allgmeinmedizin im PJ sprach sich dagegen der neue Kompetenzverbund Allgemeinmedizin NRW aus.

Das PJ gliedert sich in drei Abschnitte (Tertiale): Vier Monate in der Inneren Medizin und vier Monate in der Chirurgie sowie bislang ein drittes Tertial in einem Fach ihrer Wahl. Ein Änderungsantrag aus Nordrhein-Westfalen zur neuen Approbationsordnung für Ärzte sieht jetzt vor, dass alle Studierenden anstelle des Wahltertials im PJ eine Pflichtzeit in einer allgemeinmedizinischen Praxis absolvieren müssen. Mit dieser Maßnahme sollen mehr Studierende animiert werden, nach ihrem Studium Hausarzt zu werden.

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Die Resolution nennt sechs Gründe dafür, dass Wahltertial zu erhalten:

1. Das Wahltertial ist für Medizinstudierende maßgeblich bei ihrer Entscheidung für ihr Weiterbildungsfach und der passenden Weiterbildungsstelle. Im Wahltertial haben die Studierenden die Möglichkeit, ein Fach ihrer Wahl detailliert kennenzulernen. Ein ärztliches Praktikum (Famulatur) in einem Fach kann das Wahltertial nicht ersetzen, weil eine Famulatur zu kurz und nicht prüfungsrelevant ist.

2. Das Wahltertial bietet fast allen ärztlichen Disziplinen die unverzichtbare Möglichkeit, Studierende von ihrem Fach zu überzeugen. Dies lässt sich keinesfalls durch Famulaturen oder die oft nur kurze Berührung mit einem Fach im Rahmen des Studiums kompensieren. Ein Zwangstertial in einer allgemeinmedizinischen Praxis würde den Nachwuchsmangel in sehr vielen wichtigen Fachbereichen zum Nachteil der Patienten massiv verstärken.

3. Auch die Ausbildung künftiger Allgemeinmediziner würde durch den Wegfall des Wahltertials leiden, weil die Studierenden keinen Einblick mehr in weitere wichtige Fachgebiete neben der Inneren Medizin, der Chirurgie und der Allgemeinmedizin erhalten.

4. Studierende, die bereits wissen, welche Facharztrichtung sie einschlagen möchten, wäre die Möglichkeit genommen, dieses Fach bereits im PJ zu wählen und sich damit effektiv auf den Berufsstart vorzubereiten.

5. Die Qualität der Lehre eines allgemeinmedizinischen Pflichttertials in einer allgemeinmedizinischen Praxis nicht gewährleistet, da für die jährlich 10.000 Studierende keine ausreichende Anzahl adäquater Lehrpraxen zur Verfügung steht. Nur Praxen, deren Inhaber an der Lehre besonders interessiert sind und eine nachvollziehbare Lehrqualität bieten, können eine hochwertige Ausbildung bieten. Auch ein stufenweiser Ausbau eines Pflichttertials Allgemeinmedizin kann dies nicht gewährleisten. Denn Hausarztpraxen sind in der Regel nicht auf die aufwändige Ausbildung des medizinischen Nachwuchses eingestellt.

6. Ein Pflichttertial in einer allgemeinmedizinischen Praxis wäre daher nicht geeignet, Begeisterung für die Allgemeinmedizin zu wecken, würde aber die Bandbreite der Ausbildung in der künftigen Ärztegeneration massiv beschneiden und ist nicht zuletzt auch ein deutlicher Einschnitt in die Studienfreiheit.
An der Resolution beteiligen sich der Verband der Universitätsklinika Deutschlands, sowie wissenschaftliche Fachgesellschaften und/oder Berufsverbände der Internisten, Chirurgen, Neurologen, Psychiater, Gynäkologen, Anästhesisten und Intensivmediziner, Urologen, Dermatologen, Radiologen, Pathologen, Ophthalmologen und Nervenärzte.

Im Gegensatz dazu spricht sich der neue Kompetenzverbund Allgemeinmedizin für eine stärkere Gewichtung der Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr (PJ) aus. „Das Wahlfach Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr ist ein wichtiger Schritt, angehende Hausärzte für diesen Versorgungsbereich zu gewinnen“, hieß es aus dem Anfang Februar gegründeten Verbund. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #87388
Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 21. März 2012, 19:00

Die Lösung!

Einfach das PJ um vier Monate verlängern, dann ist allen geholfen.
LNS

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