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Politik

Bundestag berät am Donnerstag über Organspende

Mittwoch, 21. März 2012

Berlin – Nach mehrmonatiger Debatte berät der Bundestag am Donnerstag in Erster Lesung über eine Reform der Organspende in Deutschland. Im Mittelpunkt steht ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von Union, FDP, SPD und Grünen für eine „Entscheidungslösung“. Künftig soll jeder Bürger mindestens einmal im Leben von den Krankenkassen verbindlich zu seiner Spendebereitschaft befragt werden. Die Antwort soll etwa auf der Gesundheitskarte festgehalten werden. Dabei soll es keinen Zwang zu einer Äußerung geben. Organe dürfen in Deutschland derzeit nur entnommen werden, wenn der Spender vor seinem Tod ausdrücklich zugestimmt hat oder wenn die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen einer Spende zustimmen.

Darüber hinaus berät das Parlament über einen im vergangenen Sommer vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf für eine Änderung des Transplantationsgesetzes. Dabei sollen die Kliniken mit Intensivstation verpflichtet werden, einen Transplantationsbeauftragten zu bestellen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) verfügten 2010 insgesamt 1.349 von rund 2.100 Krankenhäusern in Deutschland über Intensivstationen; diese Krankenhäuser sind damit grundsätzlich Entnahmekrankenhäuser. Wie viele von ihnen bereits derzeit über einen Transplantationsbeauftragten verfügen, kann nicht beziffert werden.

Außerdem werden in dem Gesetzentwurf EU-weite einheitliche Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Entnahmekrankenhäuser festgelegt. Sichergestellt werden soll auch, dass schwerwiegende Zwischenfälle und unerwünschte Reaktionen gemeldet und der Weg der Organe vom Empfänger bis zum Spender rückverfolgt werden kann.

In einem Zusatzantrag will die Bundesregierung auch dafür sorgen, dass die Situation von Lebendspendern verbessert wird. So soll die Krankenkasse des Empfängers für alle Ansprüche des Spenders - von der Behandlung bis zur Rehabilitation - zuständig sein. Dazu zählt auch eine Entgeltfortzahlung für sechs Wochen, einschließlich der Sozialbeiträge, sowie ein erweiterter Versicherungsschutz für mögliche gesundheitliche Folgeschäden. In den Bundestagsfraktionen hofft man, dass die Reform bis zum Sommer abgeschlossen werden kann.

Unterdessen kam auch Kritik am gemeinsamen Entwurf der Bundestagsfraktionen. Dem hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) geht die geplante Reform nicht weit genug. Er plädierte am Mittwoch in Wiesbaden für eine Pflicht der Bürger, sich für oder gegen eine Spende zu entscheiden und dies auch zu dokumentieren. Wer keine Entscheidung treffe, solle künftig, anders als bisher, grundsätzlich als Organspender gelten.

Auch die Deutsche Hospiz Stiftung sprach von einer Reform, die nicht zu mehr Spenden führen werde. Im Hinblick auf den Datenschutz sei es höchst bedenklich, dass auch die Krankenkassen das Recht bekommen sollten, die Erklärung zur Organspende auf der elektronischen Gesundheitskarte „zu speichern und zu löschen“, sagte der Chef der Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Ebenso bedenklich sei es, in die Gesundheitskarte einzutragen, wenn es eine Patientenverfügung gebe. © kna/aerzteblatt.de

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WFunk
am Donnerstag, 22. März 2012, 07:28

Organspende und Hospiz

Wo ausser auf der Gesundheitskarte sollten Patientenverfügung oder Spendebereitschaft denn sonst stehen, Herr Brysch? Wer das ablehnt, lehnt in Wahrheit Patientenverfügung und Organspende ab!!!

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