szmtag Fünf Fragen zur Zahl der Arztkontakte an Dominik von Stillfried
NewsPolitikFünf Fragen zur Zahl der Arztkontakte an Dominik von Stillfried
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Fünf Fragen zur Zahl der Arztkontakte an Dominik von Stillfried

Donnerstag, 22. März 2012

Berlin – Vor allem kranke Menschen gehen zum Arzt, nicht etwa gesunde – das geht aus einer Analyse der  Arztkontakte im Jahr 2007 hervor. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) hat darauf hingewiesen, dass die Hälfte aller Arztkontakte damals auf nur 16 Prozent der Versicherten zurückzuführen war. Vor allem ältere Menschen und solche, die besonders intensiv versorgt wurden wie beispielsweise Organtransplantierte, bewirkten die hohe Kontaktzahl von durchschnittlich 17 Praxisbesuchen pro Versicherten. ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried zur aktuellen Debatte über die ZI-Ergebnisse.

5 Fragen an Dominik von Stillfried, ZI-Geschäftsführer

DÄ: Herr von Stillfried, haben Sie eine Erklärung dafür, dass die ZI-Studienergebnisse zur Zahl der Arztkontakte in den Medien auf so großes Interesse gestoßen sind?

Stillfried: Ein Grund dürfte sein, dass die Bundesregierung sich bei der Beantwortung einer Anfrage  auf unsere Studie bezogen hat. Und der zweite, dass sich in der Wahr­nehmung der meisten Journalisten die Zahl von durch­schnittlich 18 Arztkontakten festgesetzt hatte. Dass es eine starke Ungleichheit der Inanspruchnahme gibt zwischen relativ Gesunden und sehr Kranken, hat für gewisse Überraschung gesorgt.

DÄ: Haben Sie Ihre Detailergebnisse auch überrascht?

Stillfried: Nein, denn das ZI befasst sich ja seit längerem mit der Frage der Risiko­strukturen im Gesundheitswesen.  Für das Jahr 2007 errechnen wir zwar einen vergleich­baren Durchschnittswert von 17 Arztkontakten ohne Labor und Pathologie. Was wir aber mit unserer Studie deutlich machen wollten, sind einerseits regionale Unter­schiede und andererseits die enorme Ungleichverteilung der Inanspruchnahme gemäß der Risikostruktur. Die Hälfte der Deutschen geht nur bis zu zehnmal im Jahr zum Arzt, der Durchschnittswert wird aber durch die häufigen Kontakte der Schwerkranken stark erhöht. So sind für Organtransplantierte oder Dialysepflichtige durchschnittlich mehr als 50 Kontakte im Jahr dokumentiert. 

DÄ: Gab es Reaktionen der Politik auf die Studie?

Stillfried: Eine mögliche Reaktion wäre, noch einmal über die Steuerungswirkung der Praxisgebühr nachzudenken. Wenn sich die schlichte Annahme relativiert, dass 18 Arztkontakte pro Versicherten und Jahr „zu viel“ ist, weil vor allem schwer und chronisch Kranke sehr viele Praxisbesuche aufweisen, dann lässt sich eine Steuerung der Inanspruchnahme über die Praxisgebühr nicht mehr ohne weiteres unterstellen. Die hohe Inanspruchnahme schwer Kranker ist aber auch Ausdruck einer hervorragend ausgebauten vertragsärztlichen Versorgungsstruktur und einer   krankenhaus­vermeidenden ambulanten Versorgung.

DÄ: Mit Hilfe der ZI-Analyse ließe sich also auch die Abschaffung der Praxisgebühr fordern?

Stillfried: Also, dafür war die Studie nicht gedacht. Sie zeigt aber, dass wir uns ansehen sollten, ob die Inanspruchnahme in unterschiedlichen Personengruppen eigentlich sachgerecht ist. Die Praxisgebühr hingegen ist eine sehr pauschale Regelung. Zudem sind Personen mit geringem Einkommen und viele chronisch Kranke befreit. Das heißt: Gerade diejenigen, die häufiger oder sehr häufig zum Arzt gehen, werden tendenziell von der Praxisgebühr ausgenommen.

DÄ: Warum haben Sie eigentlich nur Daten für das Jahr 2007 erhoben?

Stillfried: Wir nutzen die Abrechnungsdaten der Vertragsärzte. Als Basisjahr haben wir das Jahr 2007 ausgewählt, weil wir in den Abrechnungsdaten nicht die physischen Arztkontakte abbilden, sondern  die abrechneten. Durch die Pauschalierung der Honorare ab dem Jahr 2008 sind aber viele dieser vorher dokumentierten Abrechnungs­kontakte aus der Statistik verschwunden. In der Versorgung wird sich da wohl nicht viel verändert haben, wohl aber bei der Abrechnung. Trotzdem werden wir die Analyse mit Daten von 2008 und 2009 aktualisieren. Aber wegen der Änderungen durch die vergangene Honorarreform wird es einen gewissen Bruch  in der Zeitreihe geben. © Rie/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG WortLNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER