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Medizin

Australien: Epidemie mit neuem Keuchhustenerreger

Donnerstag, 22. März 2012

Sydney – Trotz einer hohen Impfquote steigt in Australien die Zahl der gemeldeten Keuchhustenerkrankungen. Experten bringen dies im Journal of Infectious Diseases (2012: doi: 10.1093/infdis/jis178) mit der Einführung der azellulären Vakzine in Verbindung.

Berichte über schwere Komplikationen nach der Keuchhustenimpfung haben die meisten Länder in den 90er Jahren bewogen, auf eine azelluläre Vakzine zu wechseln. Diese besteht nicht mehr aus ganzen Zellen von B. pertussis, sondern nur noch aus wenigen Komponenten des Erregers.

Dies hat die Verträglichkeit verbessert, die Schutzwirkung ist dagegen schmaler, da der neue Impfstoff nur drei bis fünf Antigene enthält, während der frühere Ganzkeimimpfstoff wahrscheinlich hunderte von Antigenen abdeckte.

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Die Folge ist ein Selektionsdruck, der zur Ausbreitung von Erkrankungen mit Genotypen geführt haben könnte, gegen die der azelluläre Impfstoff nur eine verminderte Schutzwirkung erzielt. Genau dies ist nach Ansicht von Ruiting Lan von der University of New South Wales in Sydney in den letzten Jahren geschehen.

Seit 2008 steigen in Australien die Erkrankungszahlen, obwohl die Impfquote nicht gefallen ist. Im letzten Jahr wurden 38.000 Erkrankungen bekannt. Dies sei zum Teil wohl der verbesserten Labordiagnostik und ihrem vermehrten Einsatz zuzuschreiben, schreibt Lan.

Ein Teil der Epidemie gehe jedoch auf die Ausbreitung eines neuen Genotyps zurückführen. Er ist genetisch gekennzeichnet durch die Allele prn2 oder ptxP3. Nach den von Lan durchgeführten Untersuchungen sind heute 84 Prozent aller in Australien auftretenden Keuchhustenerkrankungen auf diese Genotypen zurückzuführen. In den zehn Jahren vor der Epidemie habe der Anteil nur 31 Prozent betragen.

Der Genotyp ptxP3 könnte auch deshalb die Epidemie gefördert haben, weil er mehr Toxin bildet als andere Genotypen. In Australien bereiten laut Lan vor allem Todesfälle bei Säuglingen Sorgen. Bei einer Erkrankung vor dem sechsten Lebensmonat sterbe einer von 200 Säuglingen, berichtet Lan.

Die Gesundheitsbehörde in New South Wales rate deshalb dazu, die erste Impfung, die normalerweise im 2. Lebensmonat erfolgt, auf die 6. Woche vorzuziehen. Außerdem sollten neue Eltern und alle Betreuer von Säuglingen sich impfen lassen.

Eine schnelle Medline-Recherche ergibt, dass ptxP3 auch in verschiedenen europäischen Ländern (Niederlande, Schweden, Polen, Finnland, Großbritannien, Serbien) nachgewiesen wurde. In Schweden soll er für die höhere Erkrankungsrate im Raum Göteborg verantwortlich sein. © rme/aerzteblatt.de

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