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Zahlreiche Demenzkranke bekommen zu Unrecht Psychopharmaka

Montag, 26. März 2012

dapd

Berlin – In Deutschland müssen jedes Jahr fast eine Viertelmillion Menschen Psychopharmaka schlucken, ohne dass damit wirksam Krankheiten behandelt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Berechnung des Zentrums für Sozialpolitik an der Universität Bremen für die Welt am Sonntag. Demnach werden knapp 240.000 Demenzkranke in Heimen oder in ambulanter Pflege mit den verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt, um sie ruhigzustellen. „In diesen Fällen werden die Medikamente nicht verschrieben, um die Leiden der Patienten zu lindern, sondern um Personal einzusparen und somit den Heimbetreibern höhere Gewinne zu bescheren“, zitiert das Blatt den Autor der Studie, den Sozialforscher Gerd Glaeske.

Die SPD-Bundestagsfraktion hält für das Phänomen der massenhaften Verschreibung laut Welt am Sonntag die Bundesregierung für mitverantwortlich und wirft ihnen Versäumnisse bei der finanziellen Absicherung Demenzkranker vor.

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Weder Philipp Rösler noch Daniel Bahr (beide FDP) hätten als Gesundheitsminister „auch nur einen Handschlag für die Dementen getan“, kritisierte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. Auch in seinem neuen Gesetzesentwurf für eine Reform der Pflegeversicherung sehe Bahr „allenfalls ein kleines Almosen für die Dementen vor“, so Lauterbach.

Der Sozialverband VdK forderte, mehr Geld in die Pflege zu stecken. „Demenzkranke haben einen hohen Betreuungsbedarf, weil sie oft einen starken Bewegungsdrang und sogenannte Weglauftendenzen haben“, sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Auch müssten in den kommenden Jahren viele Pflegeheime umgebaut werden, um der steigenden Zahl an Demenzkranken gerecht zu werden.

„All das ist aber nicht zum Nulltarif zu haben“, so Mascher. Sie fordert einen Solidarausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung. Die jährlichen Milliardenüberschüsse in der privaten Pflegeversicherung könnten zur Finanzierung von Leistungen für Demenzkranke verwendet werden. © kna/aerzteblatt.de

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