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Politik

Union will gegen falsche Kranken­haus-Rechnungen vorgehen

Montag, 26. März 2012

dapd

München – Die Union will einem Bericht zufolge verstärkt gegen falsche Abrechnungen der 2100 Krankenhäuser in Deutschland vorgehen. In einem der Süddeutschen Zeitung vom Montag vorliegenden Gesetzesantrag plädieren die Gesundheitsexperten von CDU und CSU dafür, fehlerhafte Rechnungen mit einer Geldbuße zu belegen. Nach ihren Vorstellungen sollen die Kliniken den Kassen künftig nicht nur wie bislang die zu hoch abgerechnete Summe erstatten, sondern zusätzlich noch einmal die Hälfte des strittigen Betrages.

Die Union will dem Bericht zufolge, dass die Regelung so schnell wie möglich verab­schiedet wird und schon Anfang des kommenden Jahres in Kraft tritt. Die FDP lehnt die Pläne allerdings ab.

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Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium unterstützt den Vorstoß. Das Ministerium habe entsprechende „Formulierungshilfen“ dafür geliefert, sagte ein Sprecher von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) in Berlin. „Es ist klar, dass dort etwas passieren muss und passieren soll.“ Die FDP-Fraktion habe dazu aber „noch keine abschließende Meinung“. Dem Zeitungsbericht zufolge lehnt die FDP die Pläne allerdings ab.

Nach Schätzungen des Bundesrechnungshofs entstehe den Beitragszahlern durch die Falschabrechnungen pro Jahr ein Schaden von etwa 875 Millionen Euro, berichtete die Zeitung. Der Spitzenverband der Krankenkassen gehe allerdings von deutlich höheren Summen aus und schätze die Ausfälle auf 1,5 Milliarden Euro.

Am Mittwoch befasst sich der Gesundheitsausschuss des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung mit dem Thema Korruption im Gesundheitswesen. Nach dem Willen der SPD-Fraktion sollen systematische Falschabrechnungen von Krankenhäusern künftig „mit spürbaren Sanktionen“ belegt werden. Zudem will die SPD, dass Korruptionshandlungen niedergelassener Vertragsärzte Straftatbestände darstellen.

In ihrer Stellungnahme für die Anhörung wies die Deutsche Krankenhausgesellschaft die Darstellung des GKV-Spitzenverbandes als „unwahr“ zurück. Die von den Kassen verbreiteten Zahlen und angeblichen Schadenssummen seien mit Hilfe „von wissenschaftlich fragwürdigen Methoden“ ermittelt worden und „wesentlich zu hoch angesetzt“. Es sei unstrittig, dass es fehlerhafte Abrechnungen im Krankenhausbereich gebe. Die Quote der Falschabrechnungen sei aber sehr gering, heißt es in der im Internet veröffentlichten Stellungnahme. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #649055
mysony
am Donnerstag, 29. März 2012, 20:46

Klinikerlebnis

1 Nacht in einem kleinen Zimmer verbringen, in das nur ein Bett passt, den Sanitärraum mit dem Nachbarzimmer teilen wird als Zimmmer mit Zweibettzuschlag abgerechnet für einen Zeitraum von 2 Tagen. Ein kleiner Zettel wird beigefügt, in dem steht, wenn Ihre Krankenkasse nicht alles bezahlt, brauchen Sie nur den Erstattungsbetrag zu überweisen. Nach dem die Fallpauschale abgerechnet wurde über 2 Tage, kam Monate später eine Rechnung, in der jede Tablette, jede Spritze mit ihrem Einzel-Preis abgerechnet werden sollte. Unter Fallpauschale verstehe ich etwas anderes. Ich unterstütze den MDK, bei solchen skurrilen Auswüchsen vorzugehen.
Avatar #104249
Senbuddy
am Dienstag, 27. März 2012, 21:17

Ich wäre da mal eher für Sanktionen...

...gegen fachlich unsinnige Anfragen und vor allem gegen fachlich falsches Monieren durch GKV / MDK.

Oder ich bin für eine verpflichtende Kostenerstattung durch die GKVen für den entstandenen, überflüssigen Aufwand. Der ist bei dem vielen Unsinn, der da so kommt (siehe nur den u.g. Beitrag von "Schpupfenarzt") volkswirtschaftlich bestimmt höher als die beklagten Falschabrechnungen.

Viele Grüße
S.
Avatar #648983
Schnupfenarzt
am Dienstag, 27. März 2012, 10:55

Falsche Abrechnung ?

Was falsch oder richtig abgerechnet heisst, bestimmt doch mittlerweile nur noch der MDK. Jeder Patient, der die obere oder untere Grenzverweildauer unter-/überschreitet wird fast schon automatisch moniert. Dann sitzen da fachfremde Kollegen (FA für Sozialmedizin etc), die über operative Prozeduren urteilen und schlichtweg sagen, dieses oder jenes habt ihr nicht gemacht oder diese oder jene Diagnose sei nicht richtig oder irrelevant. Beispielsweise ein Patient blutet unter Marcumartherapie, man verschlüsselt die Diagnose "hämorrhagische Diathese durch Antikoagulantien", diese erhöht dann den CMI und was passiert ? Der MDK sagt, dies sei eine nicht korrekte Diagnose, streicht diese und senkt somit den Fallwert. Ich habe alles richtig verschlüsselt, trotzdem bekomme ich weniger Erlöß als mir zusteht und in Zukunft darf ich dann auch noch eine Strafe draufzahlen ?
Ist man in Zukunft vollkommen von der Willkür des MDK abhängig ?
Werden dann ab nächstem Jahr die Gerichte mit Klagen überschüttet, so daß jede Codierung richterlich überprüft werden muß ?
Wer hat denn die riesigen Überschüsse ? Kassen oder Krankenhäuser ?
Macht doch einfach 1/3 der Häuser zu (so wie es ja auch erklärte politische Absicht ist) und lasst nicht 100% der Klinken darben und Maßnahmen ergreifen, die weder patienten- noch mitarbeiterfreundlich sind.
LNS

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