NewsMedizinIschämische Herzkrankheit: Stammzelltherapie mit minimaler Wirkung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ischämische Herzkrankheit: Stammzelltherapie mit minimaler Wirkung

Montag, 26. März 2012

dpa

Houston – Die Injektion von Stammzellen aus dem Knochenmark in alte Herzinfarkt­narben hat die Herzleistung in einer randomisierten Studie nicht wesentlich verbessert. Die Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2012; doi:10.1001/­jama.2012.418) verzeichnet nur eine leichte Verbesserung der linksventrikulären Auswurffraktion, die mit der Menge der injizierten Stammzellen korrelierte. Die Ergebnisse wurden auch auf der Jahrestagung des American College of Cardiology in Chicago vorgestellt.

Die FOCUS-Studie ist eine von drei randomisierten Studien, in denen das US-National Heart, Lung and Blood Institute derzeit die Wirksamkeit der Stammzelltherapie bei der ischämischen Herzkrankheit untersuchen lässt. Die Behandlungen fanden an fünf Kliniken statt, die sich zum Cardiovascular Cell Therapy Research Network zusammengeschlossen haben.

Anzeige

Alle 91 Patienten hatten eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion LVEF unter 45 Prozent und sie litten an Angina oder Symptomen einer Herzinsuffizienz ohne Aussicht auf einen Erfolg durch eine revaskularisierende Maßnahme. Die Myokardszintigraphie (SPRECT) hatte nicht perfundierte Areale aufgezeigt, die zum Ziel der Stammzelltherapie erklärt wurden.

Den Patienten wurden am Morgen der Therapie 80 bis 90 ml Knochenmark entnommen. Nach der Isolierung der Stammzellen wurden diese den Patienten über einen Herzkatheter vom linken Ventrikel aus in durchschnittlich 15 verschiedene Stellen der Infarktnarbe injiziert. Bei 61 Patienten enthielten die Injektionen Stammzellen, bei den anderen nur eine zellfreie Suspension.

Primärer Endpunkt der Studie waren Veränderungen im linksventrikulären endsystolischen Volumen, im maximalen Sauerstoffverbrauch und in der mit SPECT bestimmten Größe der Infarktnarbe nach jeweils 6 Monaten. Wie Emerson Perin vom Texas Heart Institute in Houston mitteilt, kam es bei keinem dieser Parameter zu Verbesserungen oder signifikanten Unterschieden zur Placebobehandlung, so dass die Therapie eigentlich als gescheitert betrachtet werden müsste.

Die Autoren hoffen jetzt auf die Ergebnisse einer nachträglichen Analyse. Dabei wurde eine leichte Verbesserung der LVEF um 3,1 Prozent festgestellt, während es hier im Placebo-Arm zu einer Verschlechterung um 1,6 Prozent kam.

Die Zunahme der LVEF war laut Perin mit der Zahl der bei der Behandlung übertragenen Stammzellen korreliert, woraus man eine Dosis-Wirkungs-Beziehung ableiten könnte. Nachträglich eingeführte Endpunkte gelten in randomisierten Studien jedoch nicht als beweisend, da der Wunsch den Forscher unter den vielen Parametern oft den Wert finden lässt, der nur zufällig erhöht ist und deshalb die Wirklichkeit nicht trifft.

Die FOCUS-Studie war die bisher größte Studie zur Stammzelltherapie der ischämischen Herzkrankheit. Dieser experimentelle Behandlungsansatz findet in der Öffentlichkeit weit mehr Beachtung, als die bisher erzielten klinischen Ergebnisse rechtfertigen. Ein Durchbruch ist auch ein Jahrzehnt nach den ersten klinischen Versuchen nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. November 2019
Montreal – Kanadische Forscher haben einen Wachstumsfaktor entdeckt, der die Mobilisierung von Stammzellen aus Nabelschnurblut erleichtert. Eine erste klinische Phase 1/2-Studie in Lancet Haematology
Leukämie: Stammzellagonist UM171 erleichtert Verwendung von Nabelschnurblut
17. Oktober 2019
Freiburg – Aktive oder passive Impfungen könnten ein Ansatz sein, um das Risiko von Graft-versus-Host-Immunreaktionen nach einer Stammzelltransplantation zu senken. Das berichten Wissenschaftler um
Impfung möglicher Ansatz gegen Graft-versus-Host-Immunreaktion
5. September 2019
Ulm – Sehr viele Deutsche sind offenbar bereit, bei Bedarf Stammzellen zu spenden und haben sich dafür typisieren und in das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) aufnehmen lassen.
Hohe Bereitschaft in Deutschland zur Stammzellspende
15. August 2019
Freiburg – Mehrere Fachgesellschaften haben eine neue Leitlinie für Diagnose, Prävention und Behandlung von Virusinfektionen bei Organ- und Stammzelltransplantierten vorgelegt. Sie richtet sich an
Leitlinie zu Virusinfektionen bei Organ- und Stammzelltransplantierten veröffentlicht
6. August 2019
La Jolla/Murcia – Forscher aus Spanien und China haben angeblich menschliche, induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) in Embryonen von nicht menschlichen Affen, wahrscheinlich Makaken,
Forscher könnten erstes Mensch-Affen-Hybrid geschaffen haben
2. Juli 2019
Köln – Bei Stammzelltransplantationen wegen einer malignen hämatologischen Erkrankungen besteht ein Zusammenhang zwischen der Mortalität im Verlauf der Behandlung und der Häufigkeit, mit der ein
Bei Stammzelltransplantationen sinkt Mortalität mit Häufigkeit der erbrachten Leistung
17. Juni 2019
Dortmund/Köln – Testmodelle aus künstlich erzeugten, menschlichen Stammzellen können in der Forschung eine Alternative zu Tiermodellen sein. Anstatt Versuche direkt an Tieren durchzuführen, könnten
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER