NewsAuslandImmer mehr Fälle von Sterbehilfe in der Schweiz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Immer mehr Fälle von Sterbehilfe in der Schweiz

Dienstag, 27. März 2012

Neuenburg – Das Schweizer Bundesamt für Statistik hat erstmals offizielle Zahlen über Beihilfe zur Selbsttötung vorgelegt. Wie die Statistiker am Dienstag in Neuenburg mitteilten, hat die Zahl der verzeichneten Todesfälle von Schweizer Wohnbürgern, bei denen Sterbehilfe geleistet wurde, in der Zeit von 1998 bis 2009 stetig zugenommen. 2009 waren es demnach knapp 300 Personen; dies entspricht 4,8 Todesfällen per 1.000. In der Schweiz ist Beihilfe zur Selbsttötung erlaubt, sofern die Helfer keine eigennützigen Motive verfolgen.

International gibt es der Behörde zufolge wenig Vergleichsmöglichkeiten, da die staatlichen Regelungen für Sterbehilfe von völligem Verbot bis zu liberalen Lösungen sehr unterschiedlich seien. Es gebe keine internationalen Erfassungsstandards. Gut dokumentierte Zahlen gibt es demnach einzig aus Belgien und den Niederlanden.

Anzeige

In Belgien stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von aktiver und passiver Sterbehilfe seit Einführung einer gesetzlichen Grundlage im Jahr 2002 stetig an. Sie lag laut Schweizer Statistikamt 2009 bei 7,9 von 1.000 Todesfällen. In den Niederlanden habe die Quote 2010 rund 2,3 auf 1.000 Todesfälle betragen; dort müssen aktive wie passive Sterbehilfe ebenfalls gemeldet werden.

In 90 Prozent der verzeichneten Fälle von Beihilfe zur Selbsttötung in der Schweiz waren die Betreffenden über 55 Jahre alt. Nur 1 Prozent sei jünger als 35 gewesen. Sterbehilfe wird den Angaben zufolge „in Anspruch genommen, wenn die Betroffenen ihr Leben nicht mehr als lebenswert wahrnehmen, vorwiegend wegen schwerer körperlicher Krankheiten“.

In 44 Prozent der Fälle sei Krebs als Grundkrankheit gemeldet worden. Bei 14 Prozent seien neurodegenerative Krankheiten ausschlaggebend gewesen, in 9 Prozent eine Herzkreislaufkrankheit und in 6 Prozent eine Krankheit des Bewegungsapparates. Depressionen wurden demnach bei 3 Prozent, Demenz in 0,3 Prozent der gemeldeten Fälle genannt.

Auch in den statistisch noch nicht offiziell erfassten Jahren seit 2009 verzeichnen die Schweizer Sterbehilfeorganisationen Dignitas und Exit wachsenden Zulauf, auch aus Deutschland. Medienberichten zufolge begleitete Dignitas 2011 rund 35 Prozent mehr Menschen in den Freitod als 2010, nämlich 144. Nur fünf davon seien Schweizer gewesen.

Auch bei „Exit“ nahmen die Zahlen zu. 2011 seien es mehr als 300 gewesen, gegenüber 257 im Jahr 2010. In Deutschland hat sich die schwarz-gelbe Koalition Anfang März darauf verständigt, gewerbsmäßige Beihilfe zum Suizid so schnell wie möglich zu verbieten. © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. November 2020
Kassel – Vor einer fehlgeleiteten Debatte über Selbsttötungen warnen derzeit 17 Suizidforscher und Palliativmediziner in Deutschland. In einem vorgestern veröffentlichten Schreiben an den Autor
Mediziner warnen vor fehlgeleiteter Debatte über Suizidhilfe
23. November 2020
Essen – Im Fall des Oberarztes der Universitätsklinik Essen, der zwei todkranke Patienten getötet haben soll, hat sich die Klinikleitung bestürzt über den Fall geäußert. „Wir alle sind zutiefst
Arzt unter Totschlagverdacht: Klinikvorstand „zutiefst erschüttert“
12. November 2020
Witten – Die Haltung zur Sterbehilfe bei Ärzten und Pflegenden und die Praxis in Gesundheitseinrichtungen in Deutschland beleuchtet eine neue Umfrage. „Die Hälfte der Ärzte und ein Drittel der
Wie Ärzte und Pflegende zur Sterbehilfe stehen
30. Oktober 2020
Wellington – Die Bürger Neuseelands haben sich in einem Referendum für die Legalisierung der Sterbehilfe in dem Pazifikstaat ausgesprochen. Wie die Wahlbehörde heute mitteilte, wurde die entsprechende
Neuseeländer stimmen für Legalisierung der Sterbehilfe
22. Oktober 2020
Berlin – Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020, mit dem das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für verfassungswidrig erklärt wurde, sorgte in Fachkreisen und in
Debatte im Ethikrat zur Sterbehilfe zeigt Meinungsbandbreite
14. Oktober 2020
Den Haag – In den Niederlanden soll die Sterbehilfe bei sterbenskranken Kindern im Alter von unter zwölf Jahren legalisiert werden. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hugo de Jonge kündigte gestern eine
Niederlande wollen Sterbehilfe bei Kindern unter zwölf Jahren legalisieren
28. September 2020
Berlin – In die Debatte um die Rolle von Ärzten am Lebensende kommt Bewegung. Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) denkt über eine Änderung des Berufsrechts bei der ärztlichen Beihilfe zu Selbsttötungen nach.
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER